März Gedichte
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Theodor Storm
(März
Gedichte)
März
Und aus der Erde schauet nur
Alleine noch Schneeglöckchen;
So kalt, so kalt ist noch die Flur,
Es friert im weißen Röckchen.

Johann Wolfgang von Goethe (März
Gedichte)
März
Es ist ein Schnee
gefallen,
Denn es ist noch nicht Zeit,
Dass von den Blümlein allen,
Dass von den Blümlein allen
Wir werden hoch erfreut.
Der Sonnenblick betrüget
Mit mildem, falschem Schein,
Die Schwalbe selber lüget,
Die Schwalbe selber lüget,
Warum? Sie kommt allein.
Sollt ich mich einzeln freuen,
Wenn auch der Frühling nah?
Doch kommen wir zu zweien,
Doch kommen wir zu zweien,
Gleich ist der Sommer da.

Eduard Mörike
(März
Gedichte)
Im Frühling
Hier lieg ich auf dem
Frühlingshügel
Die Wolke wird mein Flügel,
Ein Vogel fliegt mir voraus.
Ach, sag mir, alleinzige
Liebe,
Wo du bleibst, dass ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.
Der Sonnenblume gleich steht
mein Gemüte offen,
Sehnend,
Sich dehnend
In Lieben und Hoffen.
Frühling, was bist du gewillt?
Wann werd ich gestillt?
Die Wolke seh ich wandeln und
den Fluss,
Es dringt der Sonne goldener
Kuss
Mir tief ins Geblüt hinein;
levrai.de
Die Augen, wunderbar berauschet,
Tun, als schliefen sie ein,
Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.
Ich denke dies und denke das,<
Ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was.
Halb ist es Lust, halb ist es Klage.
Mein Herz, o sage,
Was webst du für Erinnerung
In golden grüner Zweige Dämmerung?
Alte unnennbare Tage.

Joseph von Eichendorff (März
Gedichte)
Frau Venus
Was weckst du, Frühling, mich
von neuem wieder?
Dass all' die alten Wünsche auferstehen,
Geht über's Land ein wunderbares Wehen;
Dass schauert mir so lieblich durch die Glieder.
Die schöne Mutter grüßen
tausend Lieder,
Die, wieder jung, im Brautkranz süß zu sehen.
Der Wald will sprechen, rauschend Ströme gehen,
Najaden tauchen singend auf und nieder.
Die Rose seh' ich geh'n aus
grüner Klause
Und, wie so buhlerisch die Lüfte fächeln,
Errötend in die laue Flut sich dehnen.
So mich auch ruft ihr aus dem
stillen Hause -
Und schmerzlich nun muss ich im Frühling lächeln,
Versinkend zwischen Duft und Klang vor Sehnen.

Levrai
(Frühlingsgedichte)
Frühling
Vergraut das erste Licht
Verschwommen sank die
Nacht
Der Tag lag unter warmem
Wind
Aus Südsüdwest vertrieben
Was noch klamme Kälte trug
Wurde bald zerrieben levrai.de
Und pflanzte sanft der Trauer
Hoffnung, grün in jungen
Trieben

Joseph von Eichendorff
(März
Gedichte)
Frühlingsnacht
Übern Garten durch die Lüfte
Hört ich Wandervögel ziehn,
Das bedeutet Frühlingsdüfte,
Unten fängt's schon an zu blühn.
Jauchzen möcht ich, möchte
weinen,
Ist mir's doch, als könnt's nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
Mit dem Mondesglanz herein. levrai.de
Und der Mond, die
Sterne sagen's,
Und in Träumen rauscht der Hain,
Und die Nachtigallen schlagen:
Sie ist deine, sie ist dein!

Eduard Mörike
(März
Gedichte)
Zu viel
Der Himmel glänzt vom reinsten
Frühlingslichte,
Ihm schwillt der Hügel sehnsuchtsvoll entgegen,
Die starre Welt zerfließt in Liebessegen,
Und schmiegt sich rund zum zärtlichsten Gedichte.
Am Dorfeshang, dort bei der
luftgen Fichte,
Ist meiner Liebsten kleines Haus gelegen –
O Herz, was hilft dein Wiegen und dein
Wägen,
Dass all der Wonnestreit in dir sich schlichte!
Du,
Liebe,
hilf den süßen Zauber lösen,
Womit Natur in meinem Innern wühlet!
Und du, oh Frühling, hilf die Liebe beugen!
Lisch aus, o Tag!
Lass mich in Nacht genesen!
Indes ihr sanften Sterne göttlich kühlet,
Will ich zum Abgrund der Betrachtung steigen.

Joseph von Eichendorff
(März
Gedichte)
Schneeglöckchen
'S war doch wie ein leises Singen
In dem Garten heute Nacht,
Wie wenn laue Lüfte gingen:
"Süße Glöcklein, nun erwacht,
Denn die warme Zeit wir bringen,
Eh's noch jemand hat gedacht."
's war kein Singen, 's war ein Küssen,
Rührt die stillen Glöcklein sacht,
Dass sie alle tönen müssen
Von der künftgen bunten Pracht.
Ach, sie konnten's nicht erwarten,
Aber weiß vom letzten Schnee
War noch immer Feld und Garten
Und sie sanken um vor Weh.
So schon manche Dichter streckten
Sangesmüde sich hinab,
Und der Frühling, den sie weckten,
Rauschte über ihrem Grab.

Hoffmann von Fallersleben
(Frühlingsgedichte)
Frühlingslied
Nun säuseln linde
Aus Westen die Winde.
Schon rieseln die Quellen
Ins Thal hernieder.
Die Knospen schwellen.
Der Vögel Lieder
Erschallen wieder.
Schneeglöckchen läuten fern und nah:
Der Frühling ist da, der Frühling ist da!
O seht, wie der Frühling schaltet und waltet,
Und neues Leben enthüllt und
entfaltet,
Und schönes Leben ersinnt und gestaltet!
Mit Duft und Farben erquickt und belebt,
Mit Sang und Klang entzückt und erhebt,
Und segnend über Allem schwebt!
Nun lasst uns nicht länger bleiben zu Haus!
Wir wollen hinaus, ins Freie hinaus!

Frank Wedekind
(März
Gedichte)
Frühling
Ilse
Ich war ein
Kind von fünfzehn Jahren,
Ein reines unschuldsvolles Kind,
Als ich zum ersten Mal erfahren,
Wie süß der
Liebe Freuden
sind.
Er nahm
mich um den Leib und lachte
Und flüsterte: O welch ein Glück!
Und dabei bog er sachte, sachte
Den Kopf mir auf das Pfühl zurück.
Seit jenem
Tag lieb' ich sie alle,
Des Lebens schönster Lenz ist mein;
Und wenn ich keinem mehr gefalle,
Dann will ich gern begraben sein.

Max Dauthendey
(März
Gedichte)
April spricht Geistersprache
April spricht Geistersprache.
Wie ein Vergoldermeister
Sitzt er am Nachbardache,
Spritzt Goldschaum auf Taube und Tauber,
Beklebt die Zimmer lichtsauber,
Belebt die Fenstergardinen,
Den Staub auf alten Tischen,
Vergoldet Falten und Mienen,
Sein Zauber will nie mehr verwischen.
Auf meinen Stühlen sitzt still,
Ich seh' ihn mit blumigen Gliedern,
Ein Geist von Liebesliedern,
Der dreist erlöst sein will.

Theodor Storm (März
Gedichte)
Neuer Frühling
Der
liebe
Frühling kommt mit hellem Klange
Und streuet seinen Schmelz auf Hain und Triften;
Viel tausend Vögel wiegen sich in Lüften
Und feiern ihn mit lautem Freudensange. -
Auch du, mein Herz, ihn
freundlich zu empfangen,
Aus starrer Trauer musst du dich erheben!
Was willst du noch der alten Liebe leben,
Da rings umher nur frische Rosen prangen.
Und konnt im Lenz die alte
Lieb verglühen;
So mag die Trauer mit dem Winter schwinden;
Im neuen Lenz wird neue Lieb erblühen.
Es sind ja
Blumen noch genug zu finden,
Der ganzen Flur ist neuer Schmuck verliehen!
Drum will auch ich aufs neu mir Kränze winden!
(angepasste Schreibweise)
Frühlings - Urlaub: In
südlichen Gegenden beginnt das Frühjahr zeitig in einer bunter Farben- und
Blütenpracht, eben Frühlingsurlaub wie er sein muss. Ein Wanderurlaub ist
mit Frühlingsangeboten besonders interessant.

Max Dauthendey (März
Gedichte)
Die Baumstämme werden wie
Menschen jetzt warm
Die Baumstämme werden wie
Menschen jetzt warm,
Sie nehmen den Sonnenschein gern in den Arm.
Der Schnee rund um den Stamm entweicht,
Soweit des Baumes Wurzel reicht.
Die Schneeglocken hocken da rund in Scharen
Begrüßt von den Staren.
Auf graslosem Boden bloß Keim bei Keim,
Beim kahlen Baum duftet's nach Honigseim,
Es duftet nach
Liebe,
dem Frost entronnen,
Erste Blüte und letzter Schnee sich dort sonnen.

Georg Trakl
(März
Gedichte)
Im Frühling
Leise sank von dunklen
Schritten der Schnee,
Im Schatten des Baums
Heben die rosigen Lider Liebende.
Immmer folgt den dunklen Rufen
der Schiffer
Stern und Nacht;
Und die Ruder schlagen leise im Takt.
Balde an verfallener Mauer
blühen
Die Veilchen,
Ergrünt so stille die Schläfe des Einsamen.

Rainer Maria
Rilke
(März
Gedichte)
Vorfrühling
Härte schwand. Auf einmal legt
sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes
Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit uns Land und Zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.

Gustav
Falke (März
Gedichte)
Bitte
Holder
Frühling hauch mich
an,
Dass ich neu erstehe,
Was ein Herz ertragen kann,
Ich ertrug's an Wehe.
Einst so blühend, diese Brust,
Soll sie ganz erkalten?
Ach, ich bin mir kaum bewusst,
Lass den Tag so walten.
Wem ein schönes Glück verging,
Drauf er treulich baute,
Wer sich an ein Hoffen hing,
Das wie Märzschnee taute,
Lieblos scheint ihm wohl die Welt
Und so kalt zum Sterben;
All was er in Händen hält,
Sind nur tote Scherben.
Holder Frühling hauch mich an
In den neuen Tagen;
Was ein Herz ertragen kann,
Ach, ich hab's ertragen.
Tausend Knospen schwellen dir,
Duft weht auf und Lieder.
Eine Blüte schenk auch mir,
Eine einzige wieder!

Ludwig Heinrich Christoph Hölty
(März
Gedichte)
Aufmunterung zur Freude
Wer wollte sich mit Grillen plagen,
Solang uns Lenz und
Jugend blühn;
Wer wollt in seinen Blütentagen
Die Stirn in düstre Falten ziehn?
Die Freude winkt auf allen Wegen,
Die durch dies Pilgerleben gehn;
Sie bringt uns selbst den
Kranz entgegen,
Wann wir am Scheidewege stehn!
Noch rinnt und rauscht die Wiesenquelle,
Noch ist die Laube kühl und grün,
Noch scheint der liebe Mond so helle,
Wie er durch Adams Bäume schien!
Noch macht der Saft der Purpurtraube
Des Menschen krankes
Herz gesund,
Noch schmeckt in der Abendlaube
Der Kuss auf einen roten Mund!
Noch tönt der Busch voll Nachtigallen
Dem Jüngling hohe Wonne zu,
Noch strömt, wenn ihre Lieder schallen,
Selbst in zerrissne Seelen Ruh!
O wunderschön ist Gottes Erde
Und wert, darauf vergnügt zu sein!
Drum will ich, bis ich Asche werde,
Mich dieser schönen Erde freun!

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