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Georg Trakl - Gedichte

* 3. Februar 1887 in Salzburg; † 3. November 1914

 

Dichter: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z
Themen: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

 

Georg Trakl  (Herbstgedichte)

Die Raben


Über den schwarzen Winkel hasten
Am Mittag die Raben mit hartem Schrei.
Ihr Schatten streift an der Hirschkuh vorbei
Und manchmal sieht man sie mürrisch rasten.

O wie sie die braune Stille stören,
In der ein Acker sich verzückt,
Wie ein Weib, das schwere Ahnung berückt,
Und manchmal kann man sie keifen hören

Um ein Aas, das sie irgendwo wittern,
Und plötzlich richten nach Nord sie den Flug
Und schwinden wie ein Leichenzug
In Lüften, die von Wollust zittern.

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Georg Trakl  (Herbstgedichte)

Verfall


Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
Träum ich nach ihren helleren Geschicken
Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.

Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,

Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.

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Georg Trakl (Frühlingsgedichte)

Im Frühling

 

Leise sank von dunklen Schritten der Schnee,
Im Schatten des Baums
Heben die rosigen Lider Liebende.

 

Immer folgt den dunklen Rufen der Schiffer
Stern und Nacht;
Und die Ruder schlagen leise im Takt.

 

Balde an verfallener Mauer blühen
Die Veilchen,
Ergrünt so stille die Schläfe des Einsamen.

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Georg Trakl (Herbstgedichte)

Verklärter Herbst


Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.


Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.


Es ist der Liebe milde Zeit.

Im Kahn den blauen Fluss hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -
Das geht in Ruh und Schweigen unter.

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Georg Trakl (Sommergedichte)

Sommer

    

Am Abend schweigt die Klage
Des Kuckucks im Wald.
Tiefer neigt sich das Korn,
Der rote Mohn.

    

Schwarzes Gewitter droht
Über dem Hügel.
Das alte Lied der Grille
Erstirbt im Feld.

    

Nimmer regt sich das Laub
Der Kastanie.

Auf der Wendeltreppe
Rauscht dein Kleid.

    

Stille leuchtet die Kerze
Im dunklen Zimmer;
Eine silberne Hand   
Löschte sie aus;

    

Windstille, sternlose Nacht.

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Georg Trakl (Herbstgedichte)

Im Herbst

 

Die Sonnenblumen leuchten am Zaun,
Still sitzen Kranke im Sonnenschein.
Im Acker müh'n sich singend die Frau'n,
Die Klosterglocken läuten darein.

Die Vögel sagen dir ferne Mär,
Die Klosterglocken läuten darein.
Vom Hof tönt sanft die Geige her.
Heut keltern sie den braunen Wein.

Da zeigt der Mensch sich froh und lind.
Heut keltern sie den braunen Wein.
Weit offen die Totenkammern sind
Und schön bemalt vom Sonnenschein.

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Georg Trakl (Sommergedichte)

Frauensegen

 

Schreitest unter deinen Frau'n
Und du lächelst oft beklommen:
Sind so bange Tage kommen.
Weiß verblüht der Mohn am Zaun.

Wie dein Leib so schön geschwellt
Golden reift der Wein am Hügel.
Ferne glänzt des Weihers Spiegel
Und die Sense klirrt im Feld.

In den Büschen rollt der Tau,
Rot die Blätter niederfließen.
Seine liebe Frau zu grüßen
Naht ein Mohr dir braun und rau.

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Georg Trakl  (Herbstgedichte) (Einsamkeit Gedichte)

Der Herbst des Einsamen

 

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle,
Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.
Ein reines Blau tritt aus verfallener Hülle;
Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.
Gekeltert ist der Wein, die milde Stille
Erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen.

Und hier und dort ein Kreuz auf ödem Hügel;
Im roten Wald verliert sich eine Herde.
Die Wolke wandert übern Weiherspiegel;
Es ruht des Landmanns ruhige Gebärde.
Sehr leise rührt des Abends blauer Flügel
Ein Dach von dürrem Stroh, die schwarze Erde.

Bald nisten Sterne in des Müden Brauen;
In kühle Stuben kehrt ein still Bescheiden
Und Engel treten leise aus den blauen
Augen der Liebenden, die sanfter leiden.
Es rauscht das Rohr; anfällt ein knöchern Grauen,
Wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden.

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Georg Trakl (Kurze Wintergedichte)

Im Winter

    
Der Acker leuchtet weiß und kalt.
Der Himmel ist einsam  und ungeheuer.
Dohlen kreisen über dem Weiher
Und Jäger steigen nieder vom Wald.  
    
Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.
Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.
Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten
Und langsam steigt der graue
Mond.
    
Ein Wild verblutet sanft am Rain 
Und Raben plätschern in blutigen Gossen.
Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.
Frost,  Rauch,  ein Schritt im leeren Hain
.

top


Georg Trakl  (dunkle Gedichte, Nachtgedichte)

Traum des Bösen

´   

Verhallend eines Gongs braungoldne Klänge  -
Ein Liebender erwacht in schwarzen Zimmern
Die Wang'  an Flammen, die im Fenster flimmern. 
Am Strome blitzen Segel,  Masten,  Stränge.
    
Ein Mönch,  ein schwangres Weib dort im Gedränge.
Guitarren klimpern,  rote Kittel schimmern.
Kastanien schwül in goldnem Glanz verkümmern; 
Schwarz ragt der Kirchen trauriges Gepränge.
    
Aus bleichen Masken schaut der Geist des Bösen. 
Ein Platz verdämmert grauenvoll und düster;
Am Abend regt auf Inseln sich Geflüster. 
    
Des Vogelfluges wirre Zeichen lesen  
Aussätzige,   die zur Nacht vielleicht verwesen.
Im Park erblicken zitternd sich Geschwister.

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Georg Trakl  (dunkle Gedichte, Nachtgedichte)

Die schöne Stadt

 

Alte Plätze sonnig schweigen.
Tief in Blau und Gold versponnen
Traumhaft hasten ernste Nonnen 
Unter schwüler Buchen Schweigen.

    

Aus den braun erhellten Kirchen
Schaun des Todes reine Bilder,
Großer Fürsten schöne Schilder.
Kronen  schimmern in  den Kirchen.

    

Rösser tauchen aus dem Brunnen.
Blütenkrallen drohn in Bäumen.
Knaben spielen wirr von Träumen
Abends leise dort am Brunnen.

    

Mädchen stehen an den Toren,
Schauen   scheu ins farbige Leben.
Ihre feuchten Lippen beben
Und sie warten an den Toren.

    

Zitternd flattern Glockenklänge,
Marschtakt hallt und Wacherufen.
Fremde lauschen auf den Stufen.
Hoch im Blau sind Orgelklänge.

    

Helle Instrumente singen.
Durch der
Gärten  Blätterrahmen
Schwirrt das Lachen schöner Damen.
Leise junge Mütter singen.

    

Heimlich haucht an blumigen Fenstern
Duft von Weihrauch,  Teer und Flieder.
Silbern flimmern müde Lider
Durch die Blumen an den Fenstern.

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Georg Trakl  (Wintergedichte)

Ein Winterabend

Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
Lang die Abendglocke läutet,
Vielen ist der Tisch bereitet  
Und das Haus ist wohlbestellt.

Mancher auf der Wanderschaft 
Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
Golden blüht der Baum der Gnaden
Aus der Erde kühlem Saft.

Wanderer tritt still herein;
Schmerz versteinert die Schwelle.
Da erglänzt in reiner Helle 
Auf dem Tische Brot und
Wein.

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 Bewertung ****** aktualisiert 10.05.2012 >>Sende dein Gedicht ein<<

 

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