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Hans Christian Andersen  (Gemeine Liebesgedichte)

Verratene Liebe

    

Da nachts wir uns küssten, o Mädchen,

Hat keiner uns zugeschaut.

Die Sterne, die standen am Himmel,

Wir haben den Sternen getraut.

 

Es ist ein Stern gefallen,

Der hat dem Meer uns verklagt,

Da hat das Meer es dem Ruder,

Das Ruder dem Schiffer gesagt.

 

Da sang der selbige Schiffer

Es seiner Liebsten vor.

Nun singen’s auf Straßen und Märkten

Die Knaben und Mädchen im Chor.

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Wilhelm Busch  (Gemeine Liebesgedichte)

Sie war ein Blümlein

 

Sie war ein Blümlein hübsch und fein,
Hell aufgeblüht im Sonnenschein
Er war ein junger Schmetterling,
Der selig an der Blume hing. 

 

Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm
Und nascht und säuselt da herum.
Oft kroch ein Käfer kribbelkrab
Am hübschen Blümlein auf und ab.

 

Ach Gott,  wie das dem Schmetterling 
So schmerzlich durch die Seele ging. 

Doch was am meisten ihn entsetzt,
Das Allerschlimmste kam zuletzt. 


Ein alter Esel fraß  die ganze
Von ihm so heißgeliebte Pflanze.

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Levrai (Gemeine Liebesgedichte)

Liebe und Hass

 

Liebe und dein Hass
Und das alle Tage
Zerstören mich langsam
Wird Zeit dass ich wage

Von dir zu gehn

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Joachim Ringelnatz (Gemeine Liebesgedichte)

 

Ein männlicher Briefmark erlebte
Was Schönes,  bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt.
Da war die Liebe in ihm erweckt.    

Er wollte sie wieder küssen,
Da hat er verreisen müssen.
So liebte  er sie vergebens.
Das  ist die Tragik des Lebens!

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Gotthold Ephraim Lessing (Gemeine Liebesgedichte)

Der Wunsch

 

Wenn ich, Augenlust zu finden,
Unter schatticht kühlen Linden
Schielend auf und nieder gehe
Und ein hässlich Mädchen sehe,
Wünsch ich plötzlich blind zu sein.

Wenn ich, Augenlust zu finden,
Unter schatticht kühlen Linden
Schielend auf und nieder gehe
Und ein schönes Mädchen sehe,
Möcht ich lauter Auge sein.

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Christian Parisius   (Gemeine Liebesgedichte)

Dass sich nicht schnell was andres findet

 

Ist dein Schatz erst mal gefunden
bist du sehr an ihn gebunden
ein falsches Wort, ein falscher Ort
Schatz und Liebe sind schnell fort

Drum prüfe, wer sich einmal bindet

dass sich nicht schnell was andres findet

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Eduard Mörike (Ritter Gedichte)

Ritterliche Werbung
Englisch


Wo gehst du hin, du schönes Kind?
Zu melken, Herr! - sprach Gotelind.

Wer ist dein Vater, du schönes Kind?
Der Müller im Tal - sprach Gotelind.

Wie, wenn ich dich freite, schönes Kind?
Zu viel der Ehre! - sprach Gotelind.

Was hast du zur Mitgift, schönes Kind?
Herr, mein Gesicht! - sprach Gotelind.

So kann ich dich nicht wohl frein, mein Kind.
Wer hat's Euch geheißen? - sprach Gotelind.

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Heinrich Heine (Gemeine Liebesgedichte)

    

Der Käfer saß auf dem Zaun,  betrübt;
Er hat sich in eine Fliege verliebt.

    

Du bist,  o Fliege meiner Seele,
Die Gattin, die ich auserwähle.

    

Heirate mich und sei mir hold!
Ich hab einen Bauch von eitel Gold.

    

Mein Rücken ist eine wahre Pracht;
Da flammt der Rubin, da glänzt der Smaragd.

    

O dass ich eine Närrin wär!
Ein'n Käfer nehm ich nimmermehr.

    

Mich lockt nicht Gold,  Rubin und Smaragd;
Ich weiß,  dass Reichtum nicht glücklich macht.

    

Nach idealen schwärmt mein Sinn,
Weil ich eine stolze Fliege bin. 

    

Der Käfer flog fort mit großem Grämen;
Die Fliege ging ein Bad zu nehmen.

    

Wo ist denn meine Magd, die Biene,
Dass sie beim Waschen mich bediene;

    

Dass sie mir streichle die feine Haut,
Denn ich bin eines Käfers Braut.

    

Wahrhaftig, ich mach eine große Partie;
Viel schöneren Käfer gab es nie.

    

Sein Rücken ist eine wahre Pracht;
Da flammt der Rubin,  da glänzt der Smaragd.

    

Sein Bauch ist gülden, hat noble Züge;
Vor Neid wird bersten bar manche Schmeißfliege.

    

Spute dich, Bienchen, und frisier mich,
Und schnüre die Taille und parfümier mich;

    

Reib mich mit Rosenessenzen,  und gieße
Lavendelöl auf meine Füße,

    

Damit ich gar nicht stinken tu,
Wenn ich in des Bräutigams Armen ruh.

    

Schon flirten heran die blauen Libellen,
Und huldigen mir als Ehrenmamsellen.

    

Sie winden mir in den Jungfernkranz
Die weiße Blüte der Pomeranz.

    

Viel Musikanten sind eingeladen,
Auch Sängerinnen,  vornehme Zikaden.

    

Rohrdommel und Horniss,  Bremse und Hummel,
Die sollen trompeten und schlagen die Trummel;

    

Sie sollen aufspielen zum Hochzeitfest -
Schon kommen die bunt beflügelten Gäst,

    

Schon kommt die Familie,  geputzt und munter ,
Gemeine Insekten sind viele darunter.

    

Heuschrecken und Wespen, Muhmen und Basen,
Sie kommen heran  -  Die Trompeten blasen.

    

Der Pastor Maulwurf im schwarzen Ornat,
Da kommt er gleichfalls - es ist schon spat.

    

Die Glocken läuten,  bim-bam, bim-bam -
Wo bleibt mein liebster Bräutigam? -

    

Bim-bam, bim-bam, klingt Glockengeläute,
Der Bräutgam aber flog fort ins Weite.

    

Die Glocken läuten, bim-bam, bim-bam -
Wo bleibt mein liebster Bräutigam?

    

Der Bräutigam hat unterdessen
Auf einem fernen Misthaufen gesessen.

    

Dort blieb er sitzen sieben Jahr,
Bis dass die Braut verfaulet war.

top


Levrai (Gemeine Liebesgedichte)

 

Schöne Zeit
Viele Probleme

Ich am Ende und

Schmerzende Zähne


Willst mir helfen

Reichst mir die Hand

Fährst dann mein Leben

Voll an die Wand


Lässt mich fallen

Musst dann gehn

Ohne zu warten in

Dunklere Augen sehn

Kann nicht mehr ohne

Kann nicht mehr mit

Dem Leben zum Lohne

Und wir sind quitt

 

Lieb' dich noch immer

Vergessen ist leer

Iss lieber Pommes

Du wiegst mir so schwer

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Levrai  (Gemeine Liebesgedichte)

Grenzland

 

Die schmale Straße zur Grenze

Bemützt, das neue Land

Fragt wohin und wie lange   

Was doch vom neuen Land abhängt

Der Ausweis mit Zahlen und Buchstaben

 

Frauen an der Straße heben den Rock zum Gruß

Gefährlich nahe

Am Straßenrand winken Sie freundlich

 

Abends verkehren Autos

Gefährlich nahe

Am Straßenrand halten Sie freundlich

Was doch auch davon abhängt

Wie man aufgenommen wird 

 

Neben den Schillingen der Ausweis

Fragt wohin und wie lange

Bemützt nun das alte Land

 

Im Grenzland

Gefährlich nahe am Straßenrand

top


Kurt Tucholsky (Balladen)

Mikrokosmos


Dass man nicht alle haben kann  –!

Wie gerne möcht ich Ernestinen

als Schemel ihrer Lüste dienen!

Und warum macht mir Magdalene,

wenn ich sie frage,  eine Szene?  

Von jener Lotte ganz zu schweigen –

ich tät mich ihr als Halbgott zeigen.

Doch bin ich schließlich 1 Stück Mann ...

Dass man nicht alle haben kann  –!
    

Gewiss:  das Spiel ist etwas alt.

Ich weiß,  dass zwischen Spree und Elbe

das Dramolet ja stets dasselbe,

doch denk ich alle, alle Male:
    

entfern ich diesmal nur die Schale –

was wird sich deinen Blicken zeigen?

Was ist,  wenn diese Lippen schweigen?

Nur diesmal greifts mich mit Gewalt ... 

(Gewiss: das Spiel ist etwas alt.) 
     

Dass man nicht alle haben kann –!

Das lässt sich zeitlich auch nicht machen ...

Ich weiß,  jetzt wirst du wieder lachen!

Ich komm doch stets nach den Exzessen

zu dir und kann dich nicht vergessen.

So gib mir denn nach langem Wandern

die Summe aller jener andern.

Sei du die Welt für einen Mann ...

weil er nicht alle haben kann.  

top


Levrai (Gemeine Liebesgedichte, Liebe und Hass)

Gemeines Liebesgedicht


 

Deine gemalten Lippen

wie kleine Fliegen auf dem Brustbein

 

Deinen geschminkten Parolen

lieben den Scherenschnitt

auf meinem Körper

top


Sophie Albrecht (Trennung Liebesgedichte) (Freiheit -Gedichte)

Goldne Freiheit


Goldne Freiheit,  kehre wieder
In mein wundes Herz zurück,
Weck mir neue,  heitre Lieder
Und entwölke Geist und Blick.
 
Komm und trockne meine Tränen
Mit der rosig-zarten Hand,
Stille meines Busens Sehnen,
Löse, was die Liebe band.
 
Liebe schafft Olympos-Freuden,
Und wer ehrte sie wie ich? -
Tiefer doch sind ihre Leiden,
Und allein sie trafen mich.
 
Ach! mit Jahren voller Qualen,
Mit des halben Lebens Glück
Musst ich ihre Wonne zahlen,
Flüchtig,  wie ein Augenblick.
 
Ohne Freuden stieg der Morgen
Für mich arme Schwärmerin,
Und der Liebe bleiche Sorgen
Welkten meinen Frühling hin.
 
Wonne hat sie mir versprochen,
Treue war mein Gegenschwur,
Unsern Bund hat sie gebrochen,
Schmerz und Tränen gab sie nur.
 
Nimm für deine Palmenkrone
Was die Liebe mir verspricht,
Hier in dieser Männer-Zone
Grünt für mich die Myrte nicht.
 
Goldne Freiheit,  kehre wieder,
Stimme meiner Harfe Ton;
Jubelt lauter,  meine Lieder,
Ihr Umarmen fühl ich schon!

top


 

 Bewertung ****** aktualisiert 03.10.2011 >>Sende dein Gedicht ein<<

 

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