Wandererlieder - Übersicht
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Joseph von Eichendorf
(Wanderlieder)
Der frohe Wandersmann.
(Wem Gott will rechte Gunst
erweisen)
Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite
Welt;
Dem will er seine Wunder
weisen
In Berg und Wald und Strom und
Feld.
Die Trägen, die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur von
Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not um
Brot.
Die Bächlein von den Bergen springen,
Die Lerchen schwirren hoch vor
Lust,
Was sollt' ich nicht mit ihnen
singen
Aus voller Kehl' und frischer
Brust?
Den lieben Gott lass ich nur walten;
Der Bächlein, Lerchen, Wald
und Feld
Und Erd' und Himmel will
erhalten.
Hat auch mein' Sach' auf's
Best' bestellt!

Joseph von
Eichendorff
(Wanderlieder)
Frische Fahrt.
Aue Luft kommt blau
geflossen,
Frühling, Frühling soll es sein!
Waldwärts Hörnerklang geschossen,
Muth'ger Augen lichter Schein;
Und das Wirren bunt und bunter
Wird ein magisch wilder Fluss,
In die schöne Welt hinunter
Lockt dich dieses Stromes Gruß.
Und ich mag mich nicht
bewahren!
Weit von Euch treibt mich der Wind,
Auf dem Strome will ich fahren,
Von dem Glanze selig blind!
Tausend Stimmen lockend schlagen,
Hoch Aurora flammend weht,
Fahre zu! ich mag nicht fragen,
Wo die Fahrt zu Ende geht!

Joseph von
Eichendorff
Im Walde.
Es zog eine Hochzeit den Berg entlang,
Ich hörte die Vögel schlagen,
Da blitzten viel' Reiter, das
Waldhorn klang,
Das war ein lustiges Jagen!
Und eh' ich's gedacht, war Alles verhallt,
Die Nacht bedecket die Runde,
Nur von den Bergen noch
rauschet der Wald
Und mich schauert im
Herzensgrunde.

Joseph von
Eichendorff
(Wanderlieder)
Wandern
Vom Grund bis zu den Gipfeln,
So weit man sehen kann,
Jetzt blüht's in allen Wipfeln,
Nun geht das Wandern an:
Die Quellen von. den Klüften,
Die Ström' auf grünem Plan,
Die Lerchen hoch in Lüften,
Der Dichter frisch voran.
Und die im Tal verderben
In trüber Sorgen Haft,
Er möcht' sie Alle werben
Zu dieser Wanderschaft.
Und von den Bergen nieder
Erschallt sein Lied in's Tal,
Und die zerstreuten Brüder
Fasst Heimweh allzumal.
Da wird die Welt so munter
Und nimmt die Reiseschuh,
Sein Liebchen mitten drunter
Die nickt ihm heimlich zu.
Und über Felsenwände
Und auf dem grünen Plan
Das wirrt und jauchzt ohn' Ende —
Nun geht das Wandern an!

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Paulus, Levrai 1987
Linolschnitt

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