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Frühlingsgedichte

Joseph von Eichendorff
Die Sperlinge

Altes Haus mit deinen Löchern,
Geiz'ger Bauer, nun Ade!
Sonne scheint, von allen Dächern
Tröpfelt lustig schon der Schnee!
Draußen auf dem Zaune munter
Wetzen unsre Schnäbel wir,
Durch die Hecken 'rauf und runter,
In dem Baume vor der Tür
Tummeln wir in hellen Haufen
Uns mit großem Kriegsgeschrei,
Um die Liebste uns zu raufen,
Denn der Winter ist vorbei!

Julius Sturm
Schwalbenlied

Aus fernem Land,
Vom Meeresstrand,
auf hohen lustigen Wegen
Fliegst, schwalbe, du
Ohne Rast und Ruh
Der lieben Heimat entgegen.

O sprich, woher
Über Land und Meer
Hast du die Kunde vernommen,
Das im Heimatland
Der Winter schwand,
Und der Frühling, der Frühling gekommen?

Dein Liedchen spricht:
Weis selber nicht,
Woher mir gekommen die Mahnung;
Doch fort und fort,
Von Ort zu Ort
Lockt mich die Frühlingsahnung.

So ohne Rast,
In freudiger Hast,
Auf hohen, luftigen Wegen
Flieg' ich unverwandt
Dem Heimatland,
Dem lenzgeschmückten, entgegen.

Wilhelm Müller
Das Frühlingsmahl

Wer hat die weisen Tücher
Gebreitet über das Land?
Die weisen, duftenden Tücher
Mit ihrem günen Rand?

Und hat darüber gezogen
Das hohe, blaue Zelt?
Darunter den bunten Teppich
Gelagert über das Feld? -

Er ist es selbst gewesen,
Der gute, reiche Wirt
Des Himmels und der Erden,
Der nimmer ärmer wird;

Er hat gedeckt die Tische
In seinem weiten Saal,
Und ruft was lebt und webet
Zum großen Frühlingsmahl.

Wie strömt's aus allen Blüten
Herab von Strauch und Baum!
Und jede Blüt' ein Becher
Voll süßer Düfte Schaum!

Hört ihr des Wirtes Stimme?
„ Heran, was kriecht und fliegt,
Was geht und steht auf Erden,
Was unter den Wogen sich wiegt!

Und du, mein Himmelspilger,
Hier trinke trunken dich,
Und sinke selig nieder
Aufs Knie und denk' an mich!“

Wilhelm Müller
Morgenlied

Wer schlägt so rasch an die Fenster mir
Mit schwanken grünen Zweigen?
Der junge Morgenwind ist hier
Und will sich lustig zeigen.

Heraus, heraus, du Menschensohn,
So ruft der kecke Geselle,
Es schwärmt von Frühligswonnen schon
Vor deiner Kammerschwelle.

Hörst du die Käfer summen nicht?
Hörst du das Glas nicht klirren,
Wenn sie, betäubt von Duft und Licht,
Hart an die Scheiben schwirren?

Die Sonnenstrahlen stehlen sich
Behende durch Blätter und Ranken,
Und necken auf deinem Lager dich
Mit blendendem Schweben und Schwanken.

Die Nachtigall ist heiser fast,
So lang' hat sie gesungen,
Und weil du sie gehört nicht hast,
Ist sie vom Baum gesprungen.

Da schlug ich mit dem leeren Zweig
An deine Fensterscheiben.
Heraus, heraus in des Frühling Reich!
Er wird nicht lange mehr bleiben.

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