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Töchter Gedichte

Joseph von Eichendorff (Tochter Gedichte über Töchter)
Zum Abschied meiner
Tochter

Der Herbstwind schüttelt die Linde,
Wie geht die Welt so geschwinde!
Halte dein Kindelein warm.
Der Sommer ist hingefahren,
Da wir zusammen waren –
Ach, die sich lieben, wie arm!

Wie arm, die sich lieben und scheiden!
Das haben erfahren wir beiden,
Mir graut vor dem stillen Haus.
Dein Tüchlein lässt du noch wehen,
Ich kann's vor Tränen kaum sehen,
Schau still in die Gasse hinaus.

Die Gassen schauen nochnächtlich,
Es rasselt der Wagen bedächtig –
Nun plötzlich rascher der Trott
Durchs Tor in die Stille der Felder,
Da grüßen so mutig die Wälder,
Lieb Töchterlein, fahre mit Gott!

Eduard Mörike (Heidegedichte)
Die
Tochter der Heide

Wasch dich, mein Schwesterchen, wasch dich!
Zu Robins Hochzeit gehn wir heut:
Er hat die stolze Ruth gefreit.
Wir kommen ungebeten;
Wir schmausen nicht, wir tanzen nicht
Und nicht mit lachendem Gesicht
Komm ich vor ihn zu treten.

Strähl dich, mein Schwesterchen, strähl dich
Wir wollen ihm singen ein Rätsel-Lied,
Wir wollen ihm klingen ein böses Lied;
Die Ohren sollen ihm gellen.
Ich will ihr schenken einen Kranz
Von Nesseln und von Dornen ganz.
Damit fährt sie zur Hölle!

Schick dich, mein Schwesterchen, schmück dich!
Derweil sie alle sind am Schmaus,
Soll rot in Flammen stehn das Haus,
Die Gäste schreien und rennen.
Zwei sollen sitzen unverwandt,
Zwei hat ein Sprüchlein festgebannt;
Zu Kohle müssen sie brennen.

Lustig, mein Schwesterchen, lustig!
Das war ein alter Ammensang.
Den falschen Rob vergaß ich lang.
Er soll mich sehen lachen!
Hab ich doch einen andern Schatz,
Der mit mir tanzet auf dem Platz -
Sie werden Augen machen!

Achim von Arnim (christliche Gedichte)
Die Eile der Zeit in Gott


Der Commandant zu Groswardeyn,
Der hätt' ein einzig Töchterlein,
Theresia ihr Nahmen war,
Gott'sfürchtig, züchtig, keusch und klar.

Sie war von ihrer Jugend an
Der Andacht also zugetan,
Mit Beten, Singen allezeit
Lobt sie die heilig' Dreifaltigkeit.

Wenn sie nur Jesum nennen hört,
So wurd ihr Lieb und Freud vermehrt,
Auf Jesum war ihr Tun gericht,
Zu seiner Braut sie sich verpflichte

Ein edler Herr tät um sie frein,
Der Vater gab den Willen drein
Die Mutter zu der Tochter spricht:
»Mein Kind, nur diesen lasse nicht.«

Die Tochter sprach: »Ach Mutter mein!
Das kann und mag ja nicht so sein,
Mein Bräutigam ist schon bestellt,
Derselb' ist nicht auf dieser Welt.«

Die Mutter sprach: »Ach Tochter mein!
Ach tu uns nicht zuwider sein!
Wir sind nunmehr zwei alte Leut,
Mit Geld hat uns Gott auch erfreut.«

Die Tochter fing zu weinen an:
»Ich hab schon einen Bräutigam,
Dem ich mich hab versprochen ganz,
Zu tragen meinen Jungfernkranz.«

Der Vater sprach: »Es kann nicht sein,
Mein Kind, das bilde dir nicht ein,
Wo willt du bleiben mit der Zeit,
Sehr alt sind wir schon alle beid.«

Der edle Herr bald wieder kam,
Da stellte man die Hochzeit an,
Denn alles war voraus bereit,
Die Braut war voller Traurigkeit.

Sie ging in ihren Garten früh,
Da fiel sie nieder auf die Knie,
Sie rief von ganzem Herzen an
Jesum, ihren liebsten Bräutigam.

Sie lag auf ihrem Angesicht,
Viel Seufzer sie zu Jesu schickt.
Der liebste Jesus ihr erschien,
Und sprach: »Schau, meine Braut, vernimm:

Du sollt jetzt und in kurzer Zeit,
Bey mir sein in der wahren Freud,
Und mit den lieben Engelein
In voller Freud und Wonne sein.«

Er grüßt die Jungfrau wunderschön,
Die Jungfrau tät vor ihme stehn,
Schamhaftig, schlägt die Augen nieder,
Empfing gar schöne Jesum wieder.

Der Jüngling an zu reden fing,
Verehrt ihr einen goldnen Ring;
»Schau da, mein' Braut zum Liebespfand,
Tragt diesen Ring an Eurer Hand.«

Die Jungfrau da schön' Rosen brach,
»Mein Bräutigam,« zu Jesu sprach:
»Hiermit sei du von mir beehrt,
Ewig mein Herz sonst keinen begehrt.«

Da gingen die verliebte Zwei,
Brachen der Blumen mancherlei
Jesus da sprach zu seiner Braut:
»Kommt! meinen Garten auch beschaut.«

Er nahm die Jungfrau bei der Hand,
Führt sie aus ihrem Vaterland,
In seines Vaters Garten schön,
Darinnen viele Blumen stehn.

Die Jungfrau da mit Freud und Lust
Köstliche Früchte hat versucht,
Kein Mensch sich nicht einbilden kann,
Was da für edle Früchte stehn.

Sie hört da Musik und Gesang,
Die Zeit und Weil wird ihr nicht lang,
Die silberweiße Bächelein,
Die fließen da ganz klar und rein.

Der Jüngling sprach zu seiner Braut:
»Meinen Garten habt ihr nun beschaut,
Ich will Euch geben das Geleit
In Euer Land, es ist nun Zeit.«

Die Jungfrau schied mit Traurigkeit,
Kam vor die Stadt in kurzer Zeit,
Die Wächter hielten sie bald an,
Sie sprach: »Lasst mich zum Vater gehn.«

Wer ist ihr Vater, man sie fragt?
»Der Commandant« sie frei aussagt,
Der Eine Wächter aber spricht:
»Der Commandant kein Kind hat nicht.«

An ihrer Kleidung man erkannt,
Dass sie auch sei von hohem Stand,
Ein Wächter sie geführet hat
Bis vor die Herren in der Stadt.

Die Jungfrau sagt und blieb dabei,
Der Commandant ihr Vater sei,
Und sei sie nur erst vor zwei Stund
Hinausgegangen da jetzt und.

Den Herren nahm es Wunder sehr,
Man fragt, wo sie gewesen wär,
Ihr's Vaters Nahm, Stamm und Geschlecht,
Das musste sie erklären recht.

Man suchte auf die alte Schrift,
Unter andern man auch dies antrifft,
Dass sich ein Braut verloren hat
Zu Groß-Wardein in dieser Stadt.

Der Jahre Zahl man bald nachschlägt,
Hundert und zwanzig Jahr austrägt,
Die Jungfrau war so schön und klar,
Als wenn sie wäre fünfzehn Jahr.

Dabei die Herren wohl erkannt,
Dass dies ein Werk von Gottes Hand,
Man trug der Jungfrau vor viel Speis,
Im Augenblick ward sie schneeweiß.

»Nichts Leibliches ich mehr begehr,«
Sie bat, »bringt mir den Priester her,
Dass ich empfang vor meinem End
Den wahren Leib im Sakrament.«

Sobald nun dieses ist geschehn,
Viel Christen-Menschen es gesehn,
Ward ihr ohn alles Weh und Schmerz
Gebrochen ab ihr reines Herz.

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