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Politische Gedichte

Johann Heinrich Voß (politische Gedichte)
Die Anschwärzer


Was Lärmes was Geschwirres
Von Aufruhrschnüffelei?
Was will der Schnüffler wirres
Und heiseres Geschrei?
Wer nicht mit vollem Munde
Einstimmt in ihren Rat,
Der steht im schwarzen Bunde
Und heißt Illuminat!
Du warnst vor stolzer Bassen
Willkür und Ungesetz?
Stracks scheinen Fürst und Sassen
Bedroht durch Mordgehetz!
Du schirmst vor dumpfem Schimmel
Des Lichts Religion?
Dann sprichst du Gott im Himmel
Und Gottes Dienern Hohn!
Ihr Finsterling', im Herzen
Eiskalt, im Kopfe warm!
Zu dunkeln und zu schwärzen,
Drum macht ihr selber Schwarm!
Bekämpft sei was ihr trachtet,
Papsttum und Barbarei!
Kein Volk, wo Dummheit nachtet,
Bleibt Gott und Fürsten treu!

Johann Heinrich Voß (politische Gedichte)
Zur Arbeit


Ein Guter schafft was Gutes gern
Und fraget nicht, ob Arbeit schände;
Dem trägen Hochmut bleibt er fern,
Sein Ruhm sind arbeitsfrohe Hände.
Wer immer tun lässt, niemals tut,
Ist weder sich noch andern gut.
Der Gute sieht sein Werk gedeihn
Und schweiget stolz bei stolzem Tadel.
Für Ehre gilt ihm ehrlich sein,
Und Edelmut verleiht ihm Adel;
Der Erde Göttern lebt er gleich,
Zufrieden stets, wenn auch nicht reich.

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Heinrich Heine (politische Gedichte)
Die Wanderratten


Es gibt zwei Sorten Ratten:
Die hungrigen und satten.
Die satten bleiben vergnügt zu Haus,
Die hungrigen aber wandern aus.

Sie wandern viele tausend Meilen,
Ganz ohne Rasten und Weilen,
Gradaus in ihrem grimmigen Lauf,
Nicht Wind noch Wetter hält sie auf.

Sie klimmen wohl über die Höhen,
Sie schwimmen wohl durch die Seen;
Gar manche ersäuft oder bricht das Genick,
Die Lebenden lassen die Toten zurück.

Es haben diese Käuze
Gar fürchterliche Schnäuze;
Sie tragen die Köpfe geschoren egal,
Ganz radikal, ganz rattenkahl.

Die radikale Rotte
Weiß nichts von einem Gotte.
Sie lassen nicht taufen ihre Brut,
Die Weiber sind Gemeindegut.

Der sinnliche Rattenhaufen,
Er will nur fressen und saufen,
Er denkt nicht, während er säuft und frisst,
Dass unsre Seele unsterblich ist.

So eine wilde Ratze,
Die fürchtet nicht Hölle, nicht Katze;
Sie hat kein Gut, sie hat kein Geld
Und wünscht aufs neue zu teilen die Welt.

Die Wanderratten, o wehe!
Sie sind schon in der Nähe.
Sie rücken heran, ich höre schon
Ihr Pfeifen - die Zahl ist Legion.

O wehe! Wir sind verloren,
Sie sind schon vor den Toren!
Der Bürgermeister und Senat,
Sie schütteln die Köpfe, und keiner weiß Rat.

Die Bürgerschaft greift zu den Waffen,
Die Glocken läuten die Pfaffen.
Gefährdet ist das Palladium
Des sittlichen Staats, das Eigentum.

Nicht Glockengeläute, nicht Pfaffengebete,
Nicht hochwohlweise Senatsdekrete,
Auch nicht Kanonen, viel Hundertpfünder,
Sie helfen Euch heute, Ihr lieben Kinder!

Heut helfen Euch nicht die Wortgespinste
Der abgelebten Redekünste.
Man fängt nicht Ratten mit Syllogismen,
Sie springen über die feinsten Sophismen.

Im hungrigen Magen Eingang finden
Nur Suppenlogik mit Knödelgründen,
Nur Argumente von Rinderbraten,
Begleitet mit Göttinger Wurst-Zitaten.

Ein schweigender Stockfisch, in Butter gesotten,
Behaget den radikalen Rotten
Viel besser als ein Mirabeau
Und alle Redner seit Cicero.

Johann Heinrich Voß (politische Gedichte)
Zur Arbeit


Man schafft sein Werk und schweiget still;
Die Arbeit muss den Meister loben.
Wenn Neid auch unterdrücken will,
Den Kopf behält man immer oben.
Ein Sprüchlein sagt: Was gehen kann,
Das gehet fort und kommt schon an.

Am Abend denkt man: Wohl geschafft!
Und freuet sich der Folg im Schlafe;
Der Morgen weckt uns, frisch an Kraft,
Zum Werk der Freude, nicht der Strafe!
Die Arbeit straft nicht Gottes Buch;
Der Arbeit Scheu ward unser Fluch.

Glückselig macht nur Tätigkeit.
Wie lang wird euch, ihr Müßiggänger,
Wie peinlich lang die liebe Zeit!
Wir wünschen Tag und Stunde länger.
Selbst ewig währt uns nie zu lang,
Bei rascher Tat und Lustgesang.

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