Gedichte zum Mut
machen
- Übersicht

Joseph von Eichendorff (Mut
machen Gedichte)
Adler
Steig nur, Sonne,
Auf die Höhn!
Schauer wehn,
Und die Erde bebt vor Wonne.
Kühn nach oben
Greift aus Nacht
Waldespracht,
Noch von Träumen kühl durchwoben.
Und vom hohen
Felsaltar
Stürzt der Aar
Und versinkt in Morgenlohen.
Frischer Morgen!
Frisches Herz,
Himmelwärts!
Lass den Schlaf nun, lass die Sorgen!

Rainer Maria
Rilke
(Mut
machen - Gedichte)
Du musst das Leben nicht
verstehen
Du musst das
Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.
Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

Theodor Storm (Mut
machen - Gedichte)
Die alte Lust ist neu
erstanden
Die alte Lust ist neu
erstanden,
Pfingstglocken läuten übers Feld,
Und neu erwacht aus Schlummerbanden
In Liebesschauer rings die Welt;
Und jugendsüße Träume weben
Wie Märchen auf dem alten Stern.
Warum, o mein geliebtes Leben,
O sprich, warum bist du so fern?

Friedrich von Schiller (Glück Gedichte)
Hoffnung
Es reden und
träumen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen,
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.
Die
Hoffnung führt ihn ins Leben
ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben,
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er - die Hoffnung auf.
Es ist kein leerer
schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Toren,
Im Herzen kündet es laut sich an:
Zu was Besserm sind wir geboren!
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.

Christian Parisius
-
(Mut
machen - Gedichte)
Die Erde geht uns nicht
verloren - und auch der Mut nicht
Die Erde geht und nicht
verloren
Und auch der Mut nicht
Die Erde lässt uns nicht
verlieren
Selbst aus dem Rinnstein
Treibt über weite Streck an
Fremdes Ufer
Was du nicht mehr wolltest
Nichts geht verloren
Das fortgeworfen
Nicht gefunden werden könnte

Sophie Albrecht
(Mut
machen - Gedichte)
(Traum
- Gedichte)
An die Träume
Bunte Kinder schwarzer
Nacht,
Die ihr Lebensmüden
Oft das Leben reizend macht,
Und mit süßem Frieden
Gern den Traurenden
erfreut,
Und dem Hoffnungslosen
Eure Rosenlauben leiht,
Wo ihn Freuden kosen,
Webt aus sanfter Phantasie,
Aus den schönsten Bildern,
Hold wie Engel Melodie,
Wenn sie Himmel schildern -
Ruhig wie des Morgens Gruß,
Wie des Abends Wehen -
Leise, wie der Weste
Kuss,
Wie der Elbe Blähen -
Reizend, wie sein eignes Bild -
Träume meinem Holden;
Liebe, die mein Herz
erfüllt,
Soll den Traum vergolden.


Traumgärten - Gärten zum Träumen. mehr...
Frank
Wedekind
(Mut
machen - Gedichte)
Sommer -
Konfession
Freudig schwör' ich es mit
jedem Schwure
Vor der Allmacht, die mich züchtigen kann:
Wie viel lieber wär' ich eine Hure
Als an Ruhm und
Glück der reichste Mann!
Welt, in mir ging dir ein
Weib verloren,
Abgeklärt und jeder Hemmung bar.
Wer war für den Liebesmarkt geboren
So wie ich dafür geboren war?
Lebt' ich nicht der
Liebe
treu ergeben
Wie es andre ihrem Handwerk sind?
Liebt' ich nur ein einzig Mal im Leben
Irgendein bestimmtes Menschenkind?
Lieben? - Nein,
das bringt kein
Glück auf Erden.
Lieben bringt Entwürdigung und Neid.
Heiß und oft und stark geliebt zu werden,
Das heißt Leben, das ist Seligkeit!
Oder sollte Schamgefühl mich
hindern,
Wenn sich erste Jugendkraft verliert,
Jeden noch so seltnen Schmerz zu lindern,
Den verwegne Phantasie gebiert?
Schamgefühl? - Ich hab
es oft empfunden;
Schamgefühl nach mancher edlen Tat;
Schamgefühl vor Klagen und vor Wunden;
Scham, wenn endlich sich Belohnung naht.
Aber Schamgefühl des Körpers
wegen,
Der mit Wonnen überreich begabt?
Solch ein Undank hat mir fern gelegen,
Seit mich einst der erste Kuss gelabt!
Und ein Leib, vom Scheitel bis zur
Sohle
Allerwärts als Hochgenuss begehrt...
Welchem reinern, köstlichern Idole
Nachzustreben, ist dies Dasein wert?
Wenn der Knie leiseste Bewegung
Kraft erzeugend wirkt wie Feuersglut,
Und die Kraft, aus wonniger Erregung,
Sich zu überbieten, nicht mehr ruht;
Immer unverwüstlicher und süßer,
Immer klarer im Genuss geschaut,
Dass es statt vor Ohnmacht dem Genießer
Nur vor seiner Riesenstärke graut...
Welt, wenn ich von solchem Zauber
träume,
Dann zerstiebt zu nichts, was ich getan;
Dann preis' ich das Dasein und ich bäume
Zu den Sternen mich vor Größenwahn!
Unrecht wär's, wollt'
ich der Welt verhehlen,
Was mein Innerstes so wild entflammt,
Denn vom Beifall vieler braver Seelen
Frag' ich mich umsonst, woraus er stammt.

Rainer Maria
Rilke
(Blumengedichte)
Blaue Hortensie
So wie das letzte Grün in
Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf
und rau,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.
Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;
Verwaschenes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.
Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.

Joseph von
Eichendorff
(Mut
machen - Gedichte)
Liebe, wunderschönes Leben
Liebe, wunderschönes
Leben,
Willst du wieder mich verführen,
Soll ich wieder Abschied geben
Fleißig ruhigem Studieren?
Offen stehen Fenster, Türen,
Draußen Frühlingsboten schweben,
Lerchen schwirrend sich erheben,
Echo will im Wald sich rühren.
Wohl, da hilft kein
Widerstreben,
Tief im
Herzen muss ich's spüren:
Liebe, wunderschönes Leben,
Wieder wirst du mich verführen!
(Schreibweise angepasst)

Sophie
Albrecht
(Mut
machen - Gedichte)
Lied
Wenn früh die graue
Dämm'rung flieht,
Wenn sich der Abend senkt,
Erwache meines Dankes Lied,
Dem, der dir Frieden schenkt.
Schwer lag auf mir der
Kummer, - schwer,
Ich weinte heiß und viel;
Das Leben war mir wonneleer,
Grab war mein schwarzes Ziel.
Da schickte
Gott mir Frieden her,
Und machte leicht die Brust.
Lob ihn! - wo ist ein Gott wie er?
Uns helfen ist ihm Lust.

Nikolaus
Lenau
(Mut
machen Gedichte)
Trutz euch!
Ihr kriegt mich nicht wieder,
Ohnmächtige Tröpfe!
Ich komme wieder und wieder,
Und meine steigenden Lieder
Wachsen begrabend euch über die Köpfe.

Sophie
Albrecht (Mut
machen Gedichte)
Lied
Wenn früh die graue Dämm'rung flieht,
Wenn sich der Abend senkt,
Erwache meines Dankes Lied,
Dem, der dir Frieden schenkt.
Schwer lag auf mir der Kummer, - schwer,
Ich weinte heiß und viel;
Das Leben war mir wonneleer,
Grab war mein schwarzes Ziel.
Da schickte Gott mir Frieden her,
Und machte leicht die Brust.
Lob ihn! - wo ist ein Gott wie er?
Uns helfen ist ihm Lust.

Novalis (Mut
machen Gedichte)
Wenn in bangen, trüben Stunden
Wenn in bangen, trüben Stunden
Unser Herz beinah' verzagt,
Wenn, von Krankheit überwunden,
Angst in unserm Innern nagt,
Wir der Treugeliebten denken,
Wie sie Gram und Kummer drückt,
Wolken unsern Blick beschränken,
Die kein Hoffnungsstrahl durchblickt:
O! dann neigt sich Gott herüber,
Seine Liebe kommt uns nah':
Sehnen wir uns dann hinüber,
Steht sein Engel vor uns da,
Bringt den Kelch des frischen Lebens,
Lispelt Mut und Trost uns zu,
Und wir beten nicht vergebens
Auch für der Geliebten Ruh'.

Anna Ritter (Mut
machen Gedichte)
Gefaltete Hände
Es hat mich heut nicht schlafen lassen -
Das alte Weh kam über mich,
Dass ich mit heimatlosen Schritten
Mich an des Kindes Bettchen schlich.
Da sank ich hin in dunkler Nacht
Und habe in die weißen Kissen
In wildem Schmerz hinein
gebissen ...
Der du so elend mich gemacht,
So viele Fäden mir zerrissen,
So viele Wege mir verstellt -
Du wirst, o Herr, die Gründe wissen!
Du lenkst die weite, große Welt
Nach ewig gültigen Gesetzen,
Du wirst dies arme Frauenherz
Nicht planlos, ziellos durch den Schmerz,
Durch Elend und Verzweiflung hetzen!
Wenn ich in Liebe um den Einen
Den Himmel, Herr, und dich vergaß,
Zu viel des Glückes mich vermaß
Und nicht genug zu dir gefleht -
Ist nicht auch L i e b e ein Gebet,
Vielleicht das heiligste der Erde?
Suchst du im Staube nur die Deinen,
Muss erst am Grabe ihres Glücks
Die arme Menschenseele weinen,
Auf dass sie deiner würdig werde
Und in Verklärung aufersteht?

Gottfried August Bürger
(Mut
machen Gedichte)
Die Kuh
Frau Magdalis weint auf ihr letztes Stück Brot;
Sie konnt es vor Kummer nicht essen.
Ach, Witwen bekümmert oft größere Not,
Als glückliche Menschen ermessen!
"Wie tief ich auf immer geschlagen nun bin!
Was hab ich, bist du erst verzehret?" -
Denn Jammer! ihr Eins und ihr Alles war hin,
Die Kuh, die bisher sie ernähret. -
Heim kamen mit lieblichem Schellengetön
Die andern, gesättigt in Fülle,
Vor Magdalis Pforte blieb keine mehr stehn
Und rief ihr mit sanftem Gebrülle.
Wie Kindlein, welche der nährenden Brust
Der Mutter sich sollen
entwöhnen,
So klagt sie dem Abend, der Nacht den Verlust
Und löschte ihr Lämpchen mit
Tränen.
Sie sank auf ihr ärmliches Lager dahin
In hoffnungslosem Verzagen,
Verwirrt und zerrüttet an jeglichem Sinn,
An jeglichem Gliede zerschlagen.
Doch stärkte kein Schlaf sie vom Abend bis früh.
Schwer abgemüdet, im Schwalle
Von ängstlichen Träumen, erschütterten sie
Die Schläge der Glockenuhr alle.
Früh tat ihr des Hirtenhornes Getön
Ihr Elend von Neuem zu wissen.
"O wehe! nun hab’ ich Nichts, aufzustehn!" -
So schluchzte sie nieder ins Kissen.
Sonst weckte des Hornes Geschmetter ihr Herz,
Den Vater der Güte zu preisen,
Jetzt zürnet und hadert entgegen ihr Schmerz
Dem Pfleger der Witwen und Weisen.
Und horch! auf Ohr und auf Herz, wie ein Stein,
Fiels ihr mit dröhnendem Schalle.
Ihr rieselt ein Schauer durch Mark und Gebein;
Es dünkt ihr wie Brüllen im Stalle.
"O Himmel! Verzeihe mir jegliche Schuld,
Und ahnde nicht meine Verbrechen!"
Sie wähnt, es erhöbe sich Geistertumult,
Ihr sträfliches Zagen zu rächen.
Kaum aber hatte vom schrecklichen Ton
Sich mählig der Nachhall verloren,
So drang ihr noch lauter und deutlicher schon
Das Brüllen vom Stalle zu Ohren.
"Barmherziger Himmel, erbarme dich
mein,
Und halte den Bösen in Banden!"
Tief barg sie das Haupt in die Kissen hinein,
Daß Hören und Sehen ihr schwanden.
Hier schlug ihr, indem sie im Schweiße zerquoll,
Das bebende Herz wie ein Hammer;
Und drittes noch lauteres Brüllen erscholl,
Als wärs vor dem Bett in der Kammer.
Nun sprang sie mit wildem Entsetzen heraus,
Stieß auf die Laden der Zelle;
Schon strahlte der Morgen; der Dämmerung Graus
Wich seiner erfreulichen Helle.
Und als sie mit heilgem Kreuz sich versehn:
"Gott helfe mir gnädiglich, Amen!"
Da wagte sies zitternd, zum Stalle zu gehen
In Gottes allmächtigem Namen.
O Wunder! Hier kehret die herrliche Kuh,
So glatt und so blank wie ein Spiegel,
Die Stirne mit silbernem Sternchen ihr zu.
Vor Staunen entsank ihr der Riegel.
Dort füllte die Krippe frisch duftender Klee,
Und Heu den Stall, sie zu nähren;
Hier leuchtet ein Eimerchen, weiß wie der Schnee,
Die strotzenden Euter zu leeren.
Sie trug ein zierlich beschriebenes Blatt
Um Stirn und Hörner gewunden:
"Zum Troste der guten Frau Magdalis hat
N.N. hierher mich gebunden." -
Gott hatt es ihm gnädig verliehen, die Not
Der Armen so wohl zu ermessen.
Gott hatt ihm verliehen ein Stücklein Brot,
Das konnt er alleine nicht essen. -
Mir däucht, ich wäre von Gott
ersehn,
Was gut und was schön ist, zu preisen;
Daher besing ich, was gut ist und schön,
In schlichten, einfältigen Weisen.
"So", schwur mir ein Maurer, "so ist es geschehn!"
Allein er verbot mir den Namen.
Gott lass es dem Edlen doch wohl ergehn!
Das bet ich herzinniglich, Amen!

Friedrich Rückert
(Mut
machen Gedichte)
Spruch
Wenn es dir übel geht,
Nimm es für gut nur immer,
Denn wenn du's übel nimmst,
So wird es nur noch schlimmer.
Und tut ein Freund dir weh,
Verzeih's ihm und versteh,
Es ist ihm selbst nicht wohl,
Sonst tät er dir nicht weh.
Doch wenn dich Liebe kränkt,
Sei dir's zu Lieb' ein Sporn,
Dass du die Rose hast,
Das fühlst du auch am Dorn.

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