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Gedichte über Leiden und Leidensgedichte

 

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Clemens Brentano   (Leidensgedichte, Gedichte über Leiden)

Als ich in tiefen Leiden


Als ich in tiefen Leiden
Verzweifelnd wollt ermatten,
Da sah ich deinen Schatten
Hin über meine Diele gleiten,
Da wusst ich,  was ich liebte,
Und was so schrecklich mich betrübte,
O Wunder aller Zierde,
Du feine ernste Myrte.

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Clemens Brentano  (Leidensgedichte, Gedichte über Leiden)

Abschied dem Jahre 1834

Leb wohl du Jahr voll Tränen!
O lasse mich an deinem letzten Tag
Noch einmal selig wähnen, 
Dass ich an einem Kinderherzen lag!

Geh hin du Jahr voll Tränen!
Tritt glaubend hin vor Gottes Thron,
Er wird um krankes Sehnen
Dich strenge richten, nimmer doch um Hohn!

O selig Jahr voll Tränen! 
War dir auch früh das tiefre Wort geraubt,
So war der Strom der Tränen
Zu ihren Füßen oft dir doch erlaubt!

O liebes Jahr voll Tränen!
O dichte Saat,  wie segnend reift dein Schmerz,
O hochbelohnt! mein Sehnen!
Ich fühlte jauchzend,  ja!  sie hat ein Herz!

O Jahr von heißen Tränen!
Geheimnisvoller,  als sie weiß, berauscht,
Was all sie kann verschönen,
Du hast in Tränen sterbend es belauscht.

O Jahr voll bittrer Tränen! 
Ist irgend Gottes Wahrheit offenbar,
Ist vieles hier nur Wähnen,
So opfre, weine darum am Altar!

O Jahr voll tiefer Tränen!
Du magst vertraut dein armes müdes Haupt
Ans Kreuz nur ruhig lehnen,
Du hast geliebet, hast gehofft, geglaubt.

O teures Jahr voll Tränen! 
Du bist in bittrer Reue Flut getauft,
Der wird uns auch versöhnen,
Der uns mit seiner Weihe Blut erkauft.

Geh hin! du Jahr voll Tränen!
Geh,  werfe dich zu ihren Füßen hin!
Und wasche sie mit Tränen
Sag ihr,  dass ich ihr armer Bruder bin!

Ihr Bruder ganz in Tränen,
Ihr kranker Bruder,  um die eigne Schuld,
Um fremde Schuld in Tränen,
Ihr Bruder weinend um der Väter Schuld! 

O sterbe Jahr in Tränen
Weil unsrer Väter  Schuld die Kinder trennt,
Und diesen scheint ein Wähnen 
Was unsre Mutter ewge Wahrheit nennt.

Leb wohl du Jahr voll Tränen,
O lasse mich an deinem letzten Tag
Noch einmal selig wähnen,  
Dass ich an einem Kinderherzen lag.

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Clemens Brentano  (Leidensgedichte, Gedichte über Leiden)

Schweig, Herz! kein Schrei!

 

Schweig,  Herz!  kein Schrei!
Denn alles geht vorbei!  
Doch dass ich auferstand
Und wie ein Irrstern ewig sie umrunde,
Ein Geist,  den sie gebannt,
Das hat Bestand!

 

Ja,  alles geht vorbei!
Nur dieses Wunderband,
Aus meines Wesens tiefstem Grunde
Zu ihrem Geist gespannt,
Das hat Bestand!

 

Ja,  alles geht vorbei!
Doch ihrer Güte Pfand,
Jed Wort aus ihrem lieben frommen Munde,
Folgt mir ins andre Land  
Und hat Bestand!

 

Ja, alles geht vorbei!
Doch sie,  die mich erkannt,
Den Harrenden, wildfremd an Ort und Stunde,
Ging nicht vorbei,  sie stand,  
Reicht mir die Hand!

 

Ja,  alles geht vorbei!
Nur eines ist kein Tand,
Die Pflicht,  die mir aus seines Herzens Grunde
Das liebe Kind gesandt,  
Die hat Bestand!

 

Ja,  alles geht vorbei!
Doch diese liebe Hand,
Die ich in tiefer,  freudenheller Stunde
An meinem Herzen fand,
Die hat Bestand!

 

Ja,  alles geht vorbei!
Nur dieser heiße Brand
In meiner Brust,  die bittre süße Wunde,
Die linde Hand verband,
Die hat Bestand!

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A. von Droste-Hülshoff (Leidensgedichte, Gedichte  Leiden)

Der Todesengel

's gibt eine Sage, dass wenn plötzlich matt
Unheimlich Schaudern einen übergleite,
Dass dann ob seiner künft'gen Grabesstatt
Der Todesengel schreite.

Ich hörte sie, und malte mir ein Bild
Mit Trauerlocken, mondbeglänzter Stirne,
So schaurig schön, wie's wohl zuweilen quillt
Im schwimmenden Gehirne.  

In seiner Hand sah ich den Ebenstab
Mit leisem Strich des Bettes Lage messen,
-  So weit das Haupt  -  so weit der Fuß  -  hinab!
Verschüttet und vergessen!

Mich graute,  doch ich sprach dem Grauen Hohn,
Ich hielt das Bild in Reimes Netz gefangen,
Und frevelnd wagt'  ich aus der Totenkron'
Ein Lorbeerblatt zu langen.

O, manche Stunde denk'  ich jetzt daran,
Fühl'  ich mein Blut so matt und stockend schleichen,
Schaut aus dem Spiegel mich ein Antlitz an  -
Ich mag es nicht vergleichen;  -

Als ich zuerst dich auf dem Friedhof fand,
Tiefsinnig um die Monumente streifend,
Den schwarzen Ebenstab in deiner Hand
Entlang die Hügel schleifen. 

Als du das Auge hobst,  so scharf und nah,
Ein leises Schaudern plötzlich mich befangen,
O wohl,  wohl ist der Todesengel da
Über mein Grab gegangen!

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 Bewertung ****** aktualisiert 10.05.2012 >>Sende dein Gedicht ein<<

 

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