Dichter:

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

Themen:

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Gott Gedichte

Clemens Brentano (christliche Gedichte über Gott)
Am Tage vor dem Abendmahl


Was ich tue, was ich denke,
Alles, was mit mir geschieht,
Herr! nach deinem Auge lenke,
Das auf meine Wege sieht

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Johann Wolfgang von Goethe (Gedichte über Gott)
Wär nicht das Auge sonnenhaft


Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt es nie erblicken;
Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt uns Göttliches entzücken?

Rainer Maria Rilke (Gedichte über Gott)
Gott im Mittelalter


Und sie hatten Ihn in sich erspart
und sie wollten, dass er sei und richte,
und sie hängten schließlich wie Gewichte
(zu verhindern seine Himmelfahrt)

an ihn ihrer großen Kathedralen
Last und Masse. Und er sollte nur
über seine grenzenlosen Zahlen
zeigend kreisen und wie eine Uhr.

Zeichen geben ihrem Tun und Tagwerk.
Aber plötzlich kam er ganz in Gang,
und die Leute der entsetzten Stadt

ließen ihn, vor seiner Stimme bang,
weitergehn mit ausgehängtem Schlagwerk
und entflohn vor seinem Zifferblatt.

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Joseph von Eichendorff (christliche Gedichte über Gott)
Winternacht


Verschneit liegt rings die ganze Welt,
ich hab' nichts, was mich freuet,
verlassen steht der Baum im Feld,
hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
und rüttelt an dem Baume,
da rührt er seine Wipfel sacht
und redet wie im Traume.

Er träumt von künft'ger Frühlingszeit,
von Grün und Quellenrauschen,
wo er im neuen Blütenkleid
zu Gottes Lob will rauschen.

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Clemens Brentano (Gedichte über Gott)
Unstet in meinen Schritten


Unstet in meinen Schritten,
Herr, hab ich oft gefehlt,
Du hast durch mich gelitten,
Ach! Wunden ungezählt.

Lass mich nicht lang mehr wallen,
Führ mich an deiner Hand,
Wo ich nicht mehr kann fallen,
Heim in dein Vaterland.

Lass nicht mein Herz erkalten,
Herr Jesu! du allein
Mach Wesen aus Gestalten,
Und führ den Schein ins Sein.

Es bleichten meine Tränen
Den Schleier nimmer rein,
Herr, schenke meinem Sehnen
Der Gnade Sonnenschein.

Herr, werfe mir herüber
Ein Blatt aus deinem Kranz,
Geschmückt darf ich hinüber
Dann in der Bräute Glanz.

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Achim von Arnim (Gedichte über Gott)
Die Eile der Zeit in
Gott

Der Commandant zu Groswardeyn,
Der hätt' ein einzig Töchterlein,
Theresia ihr Nahmen war,
Gott'sfürchtig, züchtig, keusch und klar.

Sie war von ihrer Jugend an
Der Andacht also zugetan,
Mit Beten, Singen allezeit
Lobt sie die heilig' Dreifaltigkeit.

Wenn sie nur Jesum nennen hört,
So wurd ihr Lieb und Freud vermehrt,
Auf Jesum war ihr Tun gericht,
Zu seiner Braut sie sich verpflichte

Ein edler Herr tät um sie frein,
Der Vater gab den Willen drein
Die Mutter zu der Tochter spricht:
»Mein Kind, nur diesen lasse nicht.«

Die Tochter sprach: »Ach Mutter mein!
Das kann und mag ja nicht so sein,
Mein Bräutigam ist schon bestellt,
Derselb' ist nicht auf dieser Welt.«

Die Mutter sprach: »Ach Tochter mein!
Ach tu uns nicht zuwider sein!
Wir sind nunmehr zwei alte Leut,
Mit Geld hat uns Gott auch erfreut.«

Die Tochter fing zu weinen an:
»Ich hab schon einen Bräutigam,
Dem ich mich hab versprochen ganz,
Zu tragen meinen Jungfernkranz.«

Der Vater sprach: »Es kann nicht sein,
Mein Kind, das bilde dir nicht ein,
Wo willt du bleiben mit der Zeit,
Sehr alt sind wir schon alle beid.«

Der edle Herr bald wieder kam,
Da stellte man die Hochzeit an,
Denn alles war voraus bereit,
Die Braut war voller Traurigkeit.

Sie ging in ihren Garten früh,
Da fiel sie nieder auf die Knie,
Sie rief von ganzem Herzen an
Jesum, ihren liebsten Bräutigam.

Sie lag auf ihrem Angesicht,
Viel Seufzer sie zu Jesu schickt.
Der liebste Jesus ihr erschien,
Und sprach: »Schau, meine Braut, vernimm:

Du sollt jetzt und in kurzer Zeit,
Bey mir sein in der wahren Freud,
Und mit den lieben Engelein
In voller Freud und Wonne sein.«

Er grüßt die Jungfrau wunderschön,
Die Jungfrau tät vor ihme stehn,
Schamhaftig, schlägt die Augen nieder,
Empfing gar schöne Jesum wieder.

Der Jüngling an zu reden fing,
Verehrt ihr einen goldnen Ring;
»Schau da, mein' Braut zum Liebespfand,
Tragt diesen Ring an Eurer Hand.«

Die Jungfrau da schön' Rosen brach,
»Mein Bräutigam,« zu Jesu sprach:
»Hiermit sei du von mir beehrt,
Ewig mein Herz sonst keinen begehrt.«

Da gingen die verliebte Zwei,
Brachen der Blumen mancherlei
Jesus da sprach zu seiner Braut:
»Kommt! meinen Garten auch beschaut.«

Er nahm die Jungfrau bei der Hand,
Führt sie aus ihrem Vaterland,
In seines Vaters Garten schön,
Darinnen viele Blumen stehn.

Die Jungfrau da mit Freud und Lust
Köstliche Früchte hat versucht,
Kein Mensch sich nicht einbilden kann,
Was da für edle Früchte stehn.

Sie hört da Musik und Gesang,
Die Zeit und Weil wird ihr nicht lang,
Die silberweiße Bächelein,
Die fließen da ganz klar und rein.

Der Jüngling sprach zu seiner Braut:
»Meinen Garten habt ihr nun beschaut,
Ich will Euch geben das Geleit
In Euer Land, es ist nun Zeit.«

Die Jungfrau schied mit Traurigkeit,
Kam vor die Stadt in kurzer Zeit,
Die Wächter hielten sie bald an,
Sie sprach: »Lasst mich zum Vater gehn.«

Wer ist ihr Vater, man sie fragt?
»Der Commandant« sie frei aussagt,
Der Eine Wächter aber spricht:
»Der Commandant kein Kind hat nicht.«

An ihrer Kleidung man erkannt,
Dass sie auch sei von hohem Stand,
Ein Wächter sie geführet hat
Bis vor die Herren in der Stadt.

Die Jungfrau sagt und blieb dabei,
Der Commandant ihr Vater sei,
Und sei sie nur erst vor zwei Stund
Hinausgegangen da jetzt und.

Den Herren nahm es Wunder sehr,
Man fragt, wo sie gewesen wär,
Ihr's Vaters Nahm, Stamm und Geschlecht,
Das musste sie erklären recht.

Man suchte auf die alte Schrift,
Unter andern man auch dies antrifft,
Dass sich ein Braut verloren hat
Zu Groß-Wardein in dieser Stadt.

Der Jahre Zahl man bald nachschlägt,
Hundert und zwanzig Jahr austrägt,
Die Jungfrau war so schön und klar,
Als wenn sie wäre fünfzehn Jahr.

Dabei die Herren wohl erkannt,
Dass dies ein Werk von Gottes Hand,
Man trug der Jungfrau vor viel Speis,
Im Augenblick ward sie schneeweiß.

»Nichts Leibliches ich mehr begehr,«
Sie bat, »bringt mir den Priester her,
Dass ich empfang vor meinem End
Den wahren Leib im SaKrament.«

Sobald nun dieses ist geschehn,
Viel Christen-Menschen es gesehn,
Ward ihr ohn alles Weh und Schmerz
Gebrochen ab ihr reines Herz.

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Matthias Claudius (Gedichte über Gott)
Ich danke
Gott

Ich danke Gott und freue mich
Wie's Kind zur Weihnachtsgabe,
Dass ich hier bin! Und dass ich dich
Schön menschlich Antlitz habe.

Dass ich die Sonne, Berg und Meer,
Und Laub und Gras kann sehen
Und abends unterm Sternenheer
Und lieben Monde gehen.

Gott gebe mir nur jeden Tag.
So viel ich darf zum Leben,
Er gibt's dem Sperling auf dem Dach;
Wie sollt' er's mir nicht geben!

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Clemens Brentano (Gedichte über das Leben)
Weihelied zum Ziel und Ende


Herr, Gott, dich will ich preisen,
Solang mein Odem weht,
O hör auf meine Weisen,
O sieh auf mein Gebet.
Bin ich im Himmel oben,
Da lern ich andern Sang,
Da will ich hoch dich loben
Mein ewig Leben lang.

Jetzt lass dir wohlgefallen
Mein treu einfältig Lied
Muss doch ein Kindlein lallen,
Wenn es die Mutter sieht.
Nun hab ich auch gesehen,
Wie du so väterlich,
Will nun nichts mehr verstehen
Als dich, mein Vater, dich.

Ich saß in meiner Kammer,
Sah trüb ins Leben hin,
Die Seele rang in Jammer,
Voll Sorge war mein Sinn;
Da floss ein heilig Sehnen
Mir in das öde Herz,
Da brach mein Blick in Tränen
Und schaute himmelwärts.

Da war dein Himmel offen,
Stern traf in Augenstern,
Mein Glauben, Lieben, Hoffen
Fand Gnade vor dem Herrn.
Das Lied, das ich verschwiegen,
Das Lied, das leis ich sang,
Sah ich die Engel wiegen
In Davids Harfenklang.

Und sah, den ich gerühret
Mit meinem Lerchensang,
Zum Herrn von mir geführet
Auf einem Dornengang.
Er sang mit mir zusammen
Mit selgem Flug und Fall,
In Gottes Liebesflammen,
Trotz Lerch, trotz Nachtigall!

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Clemens Brentano (christliche Gedichte über Gott)
Draus bei Schleswig vor der Pforte


Draus bei Schleswig vor der Pforte
Wohnen armer Leute viel,
Ach des Feindes wilder Horde
Werden sie das erste Ziel.
Waffenstillstand ist gekündet
Dänen ziehen ab zur Nacht,
Russen, Schweden stark verbündet,
Brechen her mit wilder Macht.
Draus bei Schleswig steht vor allen
Weit ein Häuslein ausgesetzt.

Draus bei Schleswig in der Hütte
Singt ein frommes Mütterlein,
Herr, in deinen Schoß ich schütte
Alle meine Angst und Pein.
Doch ihr Enkel ohn Vertrauen,
Zwanzigjährig neuster Zeit,
Hat den Bräutigam zu schauen
Seine Lampe nicht bereit.
Draus bei Schleswig in der Hütte
Singt ein frommes Mütterlein.

Eine Mauer um uns baue
Singt das fromme Mütterlein,
Dass dem Feinde vor uns graue
Hüll in deine Burg uns ein.
Mutter, spricht der Weltgesinnte,
Eine Mauer uns ums Haus
Kriegt unmöglich so geschwinde
Euer lieber Gott heraus.
Eine Mauer um uns baue:
Singt das fromme Mütterlein.

Enkel fest ist mein Vertrauen,
Wenn' s dem lieben Gott gefällt,
Kann er uns die Mauer bauen,
Was er will ist wohl bestellt.
Trommeln rommdidomm rings prasseln
Die Trompeten schmettern drein,
Rosse wiehern, Wagen rasseln,
Ach nun bricht der Feind herein,
Eine Mauer um uns baue
Singt das fromme Mütterlein.

Rings in alle Hütten brechen
Schwed und Russe mit Geschrei,
Lärmen, fluchen, drängen, zechen.
Doch dies Haus ziehn sie vorbei.
Und der Enkel spricht in Sorgen
Mutter, uns verrät das Lied.
Aber sieh, das Heer vom Morgen
Bis zur Nacht vorüberzieht.
Eine Mauer um uns baue
Singt das fromme Mütterlein.

Und am Abend tobt der Winter
An das Fenster schlägt der Nord
Schließt den Laden, liebe Kinder,
Spricht die Alte und singt fort
Aber mit den Flocken fliegen
Vier Kosakenpulke an.
Rings in allen Hütten liegen
Sechzig, auch wohl achtzig Mann.
Eine Mauer um uns baue
Singt das fromme Mütterlein.

Bange Nacht voll Kriegsgetöse,
Wie es wiehert, brüllet, schwirrt,
Kantschuhhiebe, Kolbenstöße.
Weh, des Nachbars Fenster klirrt
Hurrah, Stupai, Boschkai, Kurba,
Vinu, Gleba, Biba, Rack
Schreit und flucht und plackt die Turba.
Erst am Morgen zieht der Pack.
Eine Mauer um uns baue
Singt das fromme Mütterlein.

Eine Mauer um uns baue
Singt sie fort die ganze Nacht.
Morgens ward es still, o schaue
Enkel, was der Nachbar macht!
Auf nach innen geht die Türe,
Nimmer käm er sonst hinaus.
Dass er Gottes Allmacht spüre,
Lag der Schnee wohl mannshoch draus.
Eine Mauer um uns baue,
Sang das fromme Mütterlein!

Ja der Herr kann Mauern bauen.
Liebe fromme Mutter komm,
Gottes Mauer anzuschauen,
Sprach der Enkel und ward fromm.
Achtzehnhundertvierzehn war es,
Als der Herr die Mauer baut,
In der fünften Nacht des Jahres
Hat's dem Feind vor ihr gegraut.
Eine Mauer um uns baue,
Sing ich mit dem Mütterlein.

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Sophie Albrecht (Gedichte über Gebete)
Nachts


Alles ruht - nur meine Seele
Ist noch ihrem Kummer wach;
Schmerzlicher, weil ichs verhehle,
Drückt sie ihr gepresstes: Ach!

Schwüle liegt auf meinem Herzen,
Schwerer Ahndung bange Last -
Nie verschwinden diese Schmerzen,
Nur im Grabe wohnet Rast -

Gott! mein Gott! o gib mir Stille,
Sprich zu meinem Geiste: Ruh!
Bey dir ist des Friedens Fülle,
Wink mir süßen Schlummer zu.

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Sophie Albrecht (christliche Gedichte über Gott)
Lied


Wenn früh die graue Dämm'rung flieht,
Wenn sich der Abend senkt,
Erwache meines Dankes Lied,
Dem, der dir Frieden schenkt.

Schwer lag auf mir der Kummer, - schwer,
Ich weinte heiß und viel;
Das Leben war mir wonneleer,
Grab war mein schwarzes Ziel.

Da schickte Gott mir Frieden her,
Und machte leicht die Brust.
Lob ihn! - wo ist ein Gott wie er?
Uns helfen ist ihm Lust.

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