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Johann Heinrich Voß Gedichte

Johann Heinrich Voß: * 20. Februar 1751 in Sommersdorf; † 29. März 1826

Johann Heinrich Voß (Frühlingsgedichte)
Wir gingen atmend Arm in Arm


Wir gingen atmend Arm in Arm,
am Frühlingsabend still und warm,
im Schatten grüner Schlehen
uns Veilchen zu erspähen.
Rot schien der Himmel und das Meer;
mit einmal strahlte groß und hehr
der liebe volle Mond daher.
Das Mägdlein stand und ging und stand
und drückte sprachlos mir die Hand.

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Johann Heinrich Voß (politische Gedichte)
Die Anschwärzer


Was Lärmes was Geschwirres
Von Aufruhrschnüffelei?
Was will der Schnüffler wirres
Und heiseres Geschrei?
Wer nicht mit vollem Munde
Einstimmt in ihren Rat,
Der steht im schwarzen Bunde
Und heißt Illuminat!
Du warnst vor stolzer Bassen
Willkür und Ungesetz?
Stracks scheinen Fürst und Sassen
Bedroht durch Mordgehetz!
Du schirmst vor dumpfem Schimmel
Des Lichts Religion?
Dann sprichst du Gott im Himmel
Und Gottes Dienern Hohn!
Ihr Finsterling', im Herzen
Eiskalt, im Kopfe warm!
Zu dunkeln und zu schwärzen,
Drum macht ihr selber Schwarm!
Bekämpft sei was ihr trachtet,
Papsttum und Barbarei!
Kein Volk, wo Dummheit nachtet,
Bleibt Gott und Fürsten treu!

Johann Heinrich Voß (politische Gedichte)
Zur Arbeit


Ein Guter schafft was Gutes gern
Und fraget nicht, ob Arbeit schände;
Dem trägen Hochmut bleibt er fern,
Sein Ruhm sind arbeitsfrohe Hände.
Wer immer tun lässt, niemals tut,
Ist weder sich noch andern gut.

Der Gute sieht sein Werk gedeihn
Und schweiget stolz bei stolzem Tadel.
Für Ehre gilt ihm ehrlich sein,
Und Edelmut verleiht ihm Adel;
Der Erde Göttern lebt er gleich,
Zufrieden stets, wenn auch nicht reich.

Man schafft sein Werk und schweiget still;
Die Arbeit muss den Meister loben.
Wenn Neid auch unterdrücken will,
Den Kopf behält man immer oben.
Ein Sprüchlein sagt: Was gehen kann,
Das gehet fort und kommt schon an.

Am Abend denkt man: Wohl geschafft!
Und freuet sich der Folg im Schlafe;
Der Morgen weckt uns, frisch an Kraft,
Zum Werk der Freude, nicht der Strafe!
Die Arbeit straft nicht Gottes Buch;
Der Arbeit Scheu ward unser Fluch.
Glückselig macht nur Tätigkeit.
Wie lang wird euch, ihr Müßiggänger,
Wie peinlich lang die liebe Zeit!
Wir wünschen Tag und Stunde länger.
Selbst ewig währt uns nie zu lang,
Bei rascher Tat und Lustgesang.

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