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Detlev von Liliencron - Gedichte

* 3. Juni 1844 in Kiel; † 22. Juli 1909

 

Dichter: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z
Themen: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

 

Detlev von Liliencron (Sehnsucht Gedichte)

Tiefe Sehnsucht

 

Maienkätzchen, erster Gruß,
Ich breche euch und stecke euch
Maienkätzchen, erster Gruß,
Einst brach ich euch und steckte
Der Liebsten an den Hut.

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Detlev von Liliencron (Sommergedichte)
Sommer

    
Zwischen Roggenfeld und Hecken
Führt ein schmaler Gang;
Süßes,  seliges Verstecken
Einen Sommer lang. 
    
Wenn wir uns von ferne sehen,
Zögert sie den Schritt,

Rupft ein Hälmchen sich im Gehen,
Nimmt ein Blättchen mit.   
    
Hat mit Ähren sich das Mieder
Unschuldig geschmückt,
Sich den Hut verlegen nieder
In die Stirn gedrückt.   
    
Finster kommt sie langsam näher,
Färbt sich rot wie Mohn;
Doch ich bin ein feiner Späher,
Kenn die Schelmin schon.    
    
Noch ein Blick in Weg und Weite,
Ruhig liegt die Welt,
Und es hat an ihre Seite
Mich der Sturm gestellt.    
  
Zwischen Roggenfeld und Hecken
Führt ein schmaler Gang;
Süßes, seliges Verstecken
Einen
Sommer lang.   

top

 

 

Detlev von Liliencron (Liebesgedichte)

Briefwechsel

 

Im Garten, heute Morgen,
Als ich deinen Brief erbrach,
Fand ich drin verborgen
Ein Rosenblatt.


Ein Rosenblatt, deinen Locken entsunken.
Als ich es trunken
Mit den Lippen berührte,
Kam ein Windhauch und entführte
Den holden Gast.


Nun segelt es lustig zu dir zurück.
Gleich einer Krone trägt es mein Glück
Auf tiefrotem Samt - und verblasst.

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Detlev von Liliencron (Sommergedichte)

Dorfkirche im Sommer

 

Schläfrig  singt der Küster vor,   
Schläfrig  singt auch die Gemeinde.
Auf der Kanzel der Pastor 
Betet still für seine Feinde.   

    

Dann die Predigt,  wunderbar,
Eine Predigt ohnegleichen. 
Die Baronin weint sogar
Im Gestühl, dem wappenreichen.

    

Amen,  Segen,  Türen weit,
Orgelton und letzter Psalter.  
Durch die Sommerherrlichkeit
Schwirren Schwalben,  flattern Falter.

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Detlev von Liliencron (Herbstgedichte)

Herbst

    

Astern blühen schon im Garten,
Schwächer trifft der Sonnenpfeil.
Blumen,  die den Tod erwarten
Durch des Frostes Henkerbeil.

    

Brauner dunkelt längst die Heide,
Blätter zittern durch die Luft.
Und es liegen Wald und Weide
Unbewegt in blauem Duft.

    

Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden,  Herbstes Trauer,
Welke Rosen,  reife Frucht.

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Detlev von Liliencron (Wintergedichte)

Winternacht

Das war beredet und besprochen,
Wie lange her,  ich ahn' es nicht.
Der Tag ist da,  die Pulse pochen,
Die Flocken fallen träg und dicht.
Im fremden Dorf,  im fremden Saale,
Es kennt uns keiner,  welche Lust,
Wir drehn uns unter'm Kerzenstrahle,
Wie schweißt die Liebe Brust an Brust.

Und eng gedrängt im regen Schleifer,
Entzünden wir uns mehr und mehr,
Ich fühl's,  ich bin Besitzergreifer,
Ich weiß auch, das ist dein Begehr.
Geheimnisvoller Schatten breitet
Sich über unser Stelldichein,
O komm,  ein Zimmer liegt bereitet,
Ein traut Gemach, wir sind allein.

Der Wirt,  mit artigem Verneigen,
Lässt uns hinein,  wünscht gute Nacht,
Kein Späher horcht,  die Sterne schweigen,
Und stumm ist rings die Winterpracht.
Und wie beim Fest die Hochzeitsgäste
Noch weiter jubeln bei Musik,
Verklingt,  verhallt in unserm Neste
Gejauchz und Violingequiek.

Wie bin ich schnell bei Band und Schnallen,
Sie wehrt sich,  sie verweigert's mir,
Und ist mir um den Hals gefallen,
Verwirrung schloss die Augen ihr.
Noch sträubt sie sich,  schon fällt die Hülle,
Sie will nicht und sie muss,  sie muss,
Und bringt mir ihre süße Fülle, 
Und bringt sie mir in Glut und Kuss.

Der Morgen naht in tiefer Stille,
Sie schläft erschöpft im weichen Flaum,
Noch drang nicht durch die Ladenrille
Das Frührot in den heiligen Raum.
Die Ampel gießt in Dämmermilde
Ein Zartlicht ihr um Brust und Arm,
Und auf das himmlische Gebilde 
Sah lächelnd ich und liebewarm.

Und eh' die Sonne sich erhoben,
Sind wir schon unterwegs im Schnee, 
Da hab'  ich sie emporgehoben,
Und trug sie,  ein verzognes Reh.
Und trug sie bis an ihre Kammer,
An's Erdenende tät ich's noch,
Sie aber wollte kaum die Klammer
Entlösen meinem Nackenjoch. 

Die erste Krähe lässt sich hören,
Leb'  wohl, mein Schatz,  auf Wiedersehn.
Und durch die hochbeschneiten Föhren
Muss nun den Weg allein ich gehn. 
Die Sonne steigt,  und tausend Funken
Durchglitzern das beeiste Feld.
Von Glück und Liebe bin ich trunken,
O Gott,  wie herrlich ist die Welt.

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 Bewertung ****** aktualisiert 10.05.2012 >>Sende dein Gedicht ein<<

 

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