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Justinus Kerner - Gedichte

* 18. September 1786 in Ludwigsburg; † 21. Februar 1862.

Dichter, Arzt, medizinischer Schriftsteller

 

Dichter: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z
Themen: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

 

Justinus Kerner   (Geburtstagsgedichte)

Alte Laute

Hörst du den Vogel singen?
Siehst du den Blütenbaum?
Herz! kann dich das nicht bringen
Aus deinem bangen Traum?

Was hör' ich? Alte Laute
Wehmüt'ger Jünglingsbrust,
Der Zeit, als ich vertraute
Der Welt und ihrer Lust.

Die Tage sind vergangen,
Mich heilt kein Kraut der Flur;
Und aus dem Traum, dem bangen,
Weckt mich ein Engel nur.

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Justinus Kerner (Weihnachtsgedichte)

An eine zur Weihnachtszeit geborene Freundin

Eh' der Heiland uns erschienen,
Schwebten Engel erdenwärts,
An der Krippe ihm zu dienen,
Lindernd ihm der Erde Schmerz.

Weil auch du zur Welt gekommen
Kurz vor jenem Christtag bist,
Sagt' ich oft schon: »Zu so frommen
Engeln sie zu zählen ist!«

Aber dass ich konnte nennen
»Kind« dich schon in Red' und Lied,
Kann wohl der nur nicht misskennen,
Der oft Engelsbilder sieht.

Engel tragen Kindermienen,
So nur es gekommen ist,
Dass du mir ein Kind geschienen,
Da du doch ein Engel bist.

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Justinus Kerner   (Gedichte über das Sterben)

Auf das Trinkglas eines verstorbenen Freundes

 

Du herrlich Glas, nun stehst du leer,
Glas, das er oft mit Lust gehoben;
Die Spinne hat rings um dich her
Indes den düstren Flor gewoben.

Jetzt sollst du mir gefüllet sein
Mondhell mit Gold der deutschen Reben!
In deiner Tiefe heil'gen Schein
Schau' ich hinab mit frommem Beben.

Was ich erschau' in deinem Grund
Ist nicht Gewöhnlichen zu nennen.
Doch wird mir klar zu dieser Stund',
Wie nichts den Freund vom Freund kann trennen.

Auf diesen Glauben, Glas so hold!
Trink' ich dich aus mit hohem Mute.
Klar spiegelt sich der Sterne Gold,
Pokal, in deinem teuren Blute!

Still geht der Mond das Tal entlang,
Ernst tönt die mitternächt'ge Stunde.
Leer steht das Glas! Der heil'ge Klang
Tönt nach in dem kristallnen Grunde.

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Justinus Kerner (Wandern und Gedichte)

Der Wanderer

Die Straßen, die ich gehe,
So oft ich um mich sehe,
Sie bleiben fremd doch mir.
Herberg', wo ich möcht weilen,
Ich kann sie nicht ereilen,
Weit, weit ist sie von hier.

So fremd mir anzuschauen
Sind diese Städt' und Auen,
Die Burgen stumm und tot;
Doch fern Gebirge ragen,
Die meine Heimat tragen,
Ein ewig Morgenrot.

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Justinus Kerner   (Gedichte über das Wandern)
Der Wanderer in der Sägemühle

Dort unten in der Mühle
Saß ich in guter Ruh
Und sah dem Räderspiele
Und sah dem Wasser zu.

Sah zu der blanken Säge,
Es war mir wie ein Traum,
Die bahnte lange Wege
In einem Tannenbaum.

Die Tanne war wie lebend,
In Trauermelodie,
Durch alle Fasern bebend
Sang diese Worte sie:

Du tritts zur rechten Stunde,
O Wanderer! hier ein,
Du bist's, für den die Wunde
Mir dringt ins Herz hinein.

Du bist's, für den wird werden,
Wenn kurz gewandert du,
Dies Holz im Schoß der Erden,
Ein Schrein zur langen Ruh.

Vier Bretter sah ich fallen,
Mir ward um's Herze schwer,
Ein Wörtlein wollt' ich lallen,
Da ging das Rad nicht mehr.

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Justinus Kerner  (Frühlingsgedichte)

Erstes Grün

 

Du junges Grün, du frisches Gras!
Wie manches Herz durch dich genas,
Das von des Winters Schnee erkrankt,
Oh wie mein Herz nach dir verlangt!

Schon wächst du aus der Erde Nacht,
Wie dir mein Aug' entgegen lacht!
Hier in des Waldes stillem Grund
Drückt' ich dich, Grün, an Herz und Mund.

Wie treibt's mich von den Menschen fort!
Mein Leid, das hebt kein Menschenwort,
Nur junges Grün ans Herz gelegt,
Macht, dass mein Herze stiller schlägt.

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Justinus Kerner (Gedichte über das Glück)

Gesanges Erwachen

Könnt' ich einmal wieder singen,
Wär' ich wiederum gesund,
Aber noch will's Herz zerspringen,
Und im Trauern schweigt der Mund.

Kaum, dass die so leise Klage
Aus dem vollen Busen drang,
Wie an einem Wintertage
Oft schon halb ein Vogel sang.

Wie aus Wolken eng verschlossen
Halb oft dringt ein Sonnenblick,
Bald von Regen übergossen,
Wiederkehrt in sich zurück,

Also hellte mein Gemüte
Ach nur kurz ein lichter Traum,
Und vom aufgeweckten Liede
Hallten diese Töne kaum.

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Justinus Kerner  (Wald Gedichte)

Sehnsucht nach der Waldgegend


Wär' ich nie aus euch gegangen,
Wälder, hehr und wunderbar!
Hieltet liebend mich umfangen
Doch so lange, lange Jahr'.

Wo in euren Dämmerungen
Vogelsang und Silberquell,
Ist auch manches Lied entsprungen
Meinem Busen, frisch und hell.

Euer Wogen, euer Hallen,
Euer Säuseln nimmer müd',
Eure Melodien alle
Weckten in der Brust das Lied.

Hier in diesen weiten Triften
Ist mir alles öd' und stumm,
Und ich schau' in blauen Lüften
Mich nach Wolkenbildern um

Wenn ihr's in den Busen zwinget,
Regt sich selten nur das Lied:
Wie der Vogel halb nur singet,
Den von Baum und Blatt man schied.

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Justinus Kerner   (Naturgedichte)

Lust der Sturmnacht

 

Wenn durch Berg und Tale draußen
Regen schauert, Stürme brausen,
Schild und Fenster hell erklirren,
Und in Nacht die Wandrer irren,
Ruht es sich so süß hier innen,
Aufgelöst in sel'ges Minnen;
All der goldne Himmelsschimmer
Flieht herein ins stille Zimmer:
Reiches Leben, hab Erbarmen!
Halt mich fest in linden Armen!
Lenzesblumen aufwärts dringen,
Wölklein ziehn und Vöglein singen.
Ende nie, du Sturmnacht, wilde!
Klirrt, ihr Fenster, schwankt, ihr Schilde,
Bäumt euch, Wälder, braus, o Welle,
Mich umfängt des Himmels Helle!

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Justinus Kerner  (Kurze heimliche Liebesgedichte)

Stille Liebe

Könnt' ich dich in Liedern preisen,
Säng' ich dir das längste Lied.
Ja, ich würd' in allen Weisen
Dich zu singen nimmer müd'!

Doch was immer mich betrübte,
Ist, dass ich nur immer stumm
Tragen kann dich, Herzgeliebte,
In des Busens Heiligtum.

Dieser Schmerz hat mich bezwungen,
Dass ich sang dies kleine Lied,
Doch von bitterm Leid durchdrungen,
Dass noch keins auf dich geriet.

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Justinus Kerner (Tränen Gedichte)

Stille Tränen

 

Du bist vom Schlaf erstanden
Und wandelst durch die Au',
Da liegt ob allen Landen
Der Himmel wunderblau.

So lang du ohne Sorgen
Geschlummert schmerzenlos,
Der Himmel bis zum Morgen
Viel Tränen niedergoss.

In stillen Nächten weinet
Oft mancher aus den Schmerz,
Und morgens dann ihr meinet,
Stets fröhlich sei sein Herz.

    

(Schreibweise angepasst)

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Justinus Kerner   (Gedichte Wandern und Wanderer)

Wanderlied

 

Wohlauf! noch getrunken den funkelnden Wein!
Ade nun, ihr Lieben! geschieden muß sein.
Ade nun, ihr Berge, du väterlich' Haus!
Es treibt in die Ferne mich mächtig hinaus.

Die Sonne, sie bleibet am Himmel nicht stehn,
Es treibt sie, durch Länder und Meere zu gehn.
Die Woge nicht haftet am einsamen Strand,
Die Stürme, sie brausen mit Macht durch das Land.

Mit eilenden Wolken der Vogel dort zieht
Und singt in der Ferne ein heimatlich' Lied,
So treibt es den Burschen durch Wälder und Feld,
Zu gleich der Mutter, der wandernden Welt.

Da grüßen ihn Vögel bekannt überm Meer,
Sie flogen von Fluren der Heimat hierher;
Da duften die Blumen vertraulich um ihn,
Sie trieben vom Lande die Lüfte dahin.

Die Vögel, die kennen sein väterlich' Haus,
Die Blumen, die pflanzt er der Liebe zum Strauß,
Und Liebe, die folgt ihm, sie geht ihm zur Hand:
So wird ihm zur Heimt das ferneste Land.

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Justinus Kerner   (Gedichte über das Wandern)

Wanderung

Wohlauf und frisch gewandert ins unbekannte Land!
Zerrissen, ach zerrissen, ist manches teure Band.
Ihr heimatlichen Kreuze, wo ich oft betend lag,
Ihr Bäume, ach, ihr Hügel, oh blickt mir segnend nach.

Noch schläft die weite Erde, kein Vogel weckt den Hain,
Doch bin ich nicht verlassen, doch bin ich nicht allein,
Denn, ach, auf meinem
Herzen trag' ich ihr teures Band,
Ich fühl's, und Erd und Himmel sind innig mir verwandt.

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Justinus Kerner  (Liebesgedichte)

Der schönste Anblick

Schön ist's, wenn zwei Sterne
Nah sich stehn am Firmament,
Schön, wenn zweier Rosen
Röte ineinander brennt.

Doch in Wahrheit! immer
Ist's am schönsten anzusehn:
Wie zwei, so sich lieben,
Selig beieinander stehn.

top


Justinus Kerner (Krankheiten Gedichte)

Wer machte dich so krank?

Dass du so krank geworden,
Wer hat es denn gemacht?
Kein kühler Hauch aus Norden
Und keine Sternennacht.

Kein Schatten unter Bäumen,
Nicht Glut des Sonnenstrahls,
Kein Schlummern und kein Träumen
Im Blütenbett des Tals.

Dass ich trag' Todeswunden,
Das ist der Menschen Tun;
Natur ließ mich gesunden,
Sie lassen mich nicht ruhn.

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 Bewertung ****** aktualisiert 10.05.2012 >>Sende dein Gedicht ein<<

 

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