Mühsam, Erich, Frühlingsgedicht
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Wollte nicht der Frühling kommen?
Wollte nicht der Frühling kommen?
War nicht schon die weiße
Decke
von dem Rasenplatz genommen
gegenüber an der Ecke?
Nebenan die schwarze Linde
ließ sogar schon (sollt ich
denken)
von besonntem Märzenwinde
kleine, grüne Knospen
schwenken.
In die
Herzen kam ein
Hoffen,
in die Augen kam ein
Flüstern –
und man ließ den Mantel
offen,
und man blähte weit die
Nüstern ...
Ja, es waren schöne Tage.
Doch sie haben uns betrogen.
Frost und Sturm und
Schnupfenplage
sind schon wieder
eingezogen.
Zugeknöpft bis an den Kiefer
flieht der Mensch die
Gottesfluren,
wo ein gelblichweißer, tiefer
Schnee versteckt die
Frühlingsspuren.
Sturmwind pfeift um nackte
Zweige,
und der Rasenplatz ist
schlammig.
In mein Los ergeben neige
ich das Auge. Gottverdammich!
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