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Fremde Gedichte

Max Dauthendey  (Gedichte über die Fremde)
Zu Hause


Zu Hause schmolz der Schnee vom Dach
Und munter sprudelt schon der Bach,
Er ward mit Leib und Seele wach.
Leicht hüpft er wie das Nachbarskind,
Und beide singen in den Wind.
– Ich weine mir die Augen blind.
Die Heimat, ach, o Wanderstab,
Die Fremde ich verloren hab.
– Die Fremde ist ein Grab.

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Heinrich Heine Gedichte (Gedichte über die Fremde)
In der Fremde


Es treibt dich fort von Ort zu Ort,
Du weißt nicht mal warum;
Im Winde klingt ein sanftes Wort,
Schaust dich verwundert um.

Die Liebe, die dahinten blieb,
Sie ruft dich sanft zurück:
O komm zurück, ich hab dich lieb,
Du bist mein einzges Glück!

Doch weiter, weiter, sonder Rast,
Du darfst nicht stillestehn;
Was du so sehr geliebet hast,
Sollst du nicht wiedersehn.

Heinrich Heine Gedichte (Gedichte über die Fremde)
In der Fremde - Du bist ja heut so grambefangen


Du bist ja heut so grambefangen,
Wie ich dich lange nicht geschaut!
Es perlet still von deinen Wangen,
Und deine Seufzer werden laut.

Denkst du der Heimat, die so ferne,
So nebelferne dir verschwand?
Gestehe mirs, du wärest gerne
Manchmal im teuren Vaterland.

Denkst du der Dame, die so niedlich
Mit kleinem Zürnen dich ergötzt?
Oft zürntest du, dann ward sie friedlich,
Und immer lachtet ihr zuletzt.

Denkst du der Freunde, die da sanken
An deine Brust, in großer Stund?
Im Herzen stürmten die Gedanken,
Jedoch verschwiegen blieb der Mund.

Denkst du der Mutter und der Schwester?
Mit beiden standest du ja gut.
Ich glaube gar, es schmilzt, mein Bester,
In deiner Brust der wilde Mut!

Denkst du der Vögel und der Bäume
Des schönen Gartens, wo du oft
Geträumt der Liebe junge Träume,
Wo du gezagt, wo du gehofft?

Es ist schon spät. Die Nacht ist helle,
Trübhell gefärbt vom feuchten Schnee.
Ankleiden muss ich mich nun schnelle
Und in Gesellschaft gehn. O weh!

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Ferdinand Freiligrath Gedichte (Gedichte über die Fremde)
Die Tanne


Inmitten der Fregatte
Hebt sich der starke Mast
Mit Segel, Flagg' und Matte:
Ihn beugt der Jahre Last.
Der schaumbedeckten Welle
Klagt zürnend er sein Leid:
"Was hilft mir nun das helle,
Das weiße Segelkleid?

Was helfen mir die Fahnen,
Die schwanken Leiterstricke?
Ein starkes inn'res Mahnen
Zieht mich zum Forst zurücke.

In meinen jungen Jahren
Hat man mich umgehauen.
Das Meer sollt' ich befahren
Und fremde Länder schauen.

Ich hab' die See befahren:
Meekön'ge sah ich thronen;
Mit schwarzen und blonden Haaren
Sah ich die Nationen.

Isländisch Moos im Norden
Grüßt' ich auf Felsenspalten;
Mit Palmen auf südlichen Borden
Hab' Zwiesprach ich gehalten.

Doch nach dem Heimatberge
Zieht mich ein starker Zug,
Wo ich in's Reich der Zwerge
Die haarigen Wurzeln schlug.

O stilles Leben im Walde!
O grüne Einsamkeit!
O blumenreiche Halde!
Wie weit seid ihr, wie weit!"

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