Dunkle
Gedichte, Nachtgedichte - Übersicht

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Johann Wolfgang von Goethe
(Nachtgedichte)
Künstlers Abendlied
Ach, dass die innre Schöpfungskraft
Durch meinen Sinn erschölle!
Dass eine Bildung voller Saft
Aus meinen Fingern quölle!
Ich zittre nur, ich stottre nur,
Und kann es doch nicht lassen;
Und fühl, ich kenne dich, Natur,
Und so muss ich dich fassen.
Bedenk ich dann, wie manches Jahr
Sich schon mein Sinn erschließet,
Wie er, wo dürre Heide war,
Nun Freudenquell genießet;
Wie sehn ich mich, Natur, nach dir,
Dich treu und lieb zu fühlen!
Ein lustger Springbrunn wirst du mir
Aus tausend Röhren spielen.
Wirst alle meine Kräfte mir
In meinem Sinn erheitern
Und dieses enge Dasein

Joseph von Eichendorff
(Nachtgedichte)
Mondnacht
Es war, als hätt der
Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die
Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
(Schreibweise angepasst)

Theodor Storm (Nachtgedichte)
Es ist ein Flüstern
Es
ist ein Flüstern in der Nacht,
Es hat mich ganz um den Schlaf gebracht;
Ich fühl's, es will sich was verkünden
Und kann den Weg nicht zu mir finden.
Sind's Liebesworte, vertrauet dem
Wind,
Die unterwegs verwehet sind?
Oder ist's Unheil aus künftigen Tagen,
Das emsig drängt sich anzusagen?

Theodor Storm
(Abendgedichte,
Nachtgedichte)
Dämmerstunde
Im Sessel du, und ich zu
deinen Füßen,
Das Haupt dir zugewendet, saßen wir;
Und sanfter fühlten wir die Stunden fließen,
Und stiller ward es zwischen mir und dir;
Bis unsre Augen ineinander sanken
Und wir berauscht der Seele
Atem tranken.

Johann Wolfgang von Goethe (Abendgedichte,
Nachtgedichte)
Abendlied
Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Max Dauthendey
(Regengedichte)
(Nachtgedichte)
Ein
Regen ist kalt durch den Tag gegangen
Viel Wolken halten den
Abend umfangen,
Viel dunkle Falten vom Himmel hangen.
Ein
Regen
ist kalt durch den Tag gegangen,
Und Stille macht Halt ernst ohne Bewegen.
Der Abend will sich gern niederlegen,
Die Berge reichen den Rücken hin,
Und jeder Stein will dem Dunkel sich bücken
Dem Abend und seinem geheimen Sinn.

Theodor Storm (Nachtgedichte,
Gedichte über Liebe)
Abends
Warum duften die Levkojen soviel
schöner bei der Nacht?
Warum brennen deine Lippen soviel röter bei der Nacht?
Warum ist in meinem
Herzen so die Sehnsucht auferwacht,
Diese brennend roten Lippen dir zu
küssen bei der
Nacht?

Theodor Storm
(Gedichte
über den Abend, die Nacht)
Zur Nacht
Vorbei der Tag! Nun lass
mich unverstellt
Genießen dieser Stunde vollen Frieden!
Nun sind wir unser; von der frechen Welt
Hat endlich uns die heilige Nacht geschieden.
Lass einmal noch, eh sich dein Auge schließt,
Der
Liebe
Strahl sich rückhaltlos entzünden;
Noch einmal, eh im
Traum
sie sich vergisst,
Mich deiner Stimme lieben Laut empfinden!
Was gibt es mehr! Der stille Knabe winkt
Zu seinem Strande lockender und lieber;
Und wie die Brust dir atmend schwellt und sinkt,
Trägt uns des Schlummers Welle sanft hinüber.

Joseph von Eichendorff
(Nachtgedichte
Wintergedichte)
Winternacht
Verschneit liegt rings die
ganze Welt,
ich hab' nichts, was
mich freuet,
verlassen steht der Baum im
Feld,
hat längst sein Laub
verstreuet.
Der
Wind nur geht bei
stiller Nacht
und rüttelt an dem Baume,
da rührt er seine Wipfel sacht
und redet wie im Traume.
Er träumt von künft'ger
Frühlingszeit,
von Grün und Quellenrauschen,
wo er im neuen Blütenkleid
zu Gottes Lob will rauschen.

Theodor Storm
(Gedichte
über den Abend, die Nacht)
Die Nachtigall
Das macht, es hat die
Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.
Sie war doch sonst ein wildes Blut
Nun geht sie tief in Sinnen,
Trägt in der Hand den Sommerhut
Und duldet still der Sonne Glut
Und weiß nicht, was beginnen.
Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.

Hoffmann von Fallersleben (Gedichte
über den Abend, die Nacht)
Wer hat die schönsten Schäfchen?
Wer hat die schönsten
Schäfchen?
Die hat der gold'ne Mond,
Der hinter jenen Bäumen
Am Himmel droben wohnt.
Er kommt am späten Abend,
Wenn alles schlafen will,
Hervor aus seinem Hause
Zum Himmel leis' und still.
Dann weidet er die Schäfchen
Auf seiner blauen Flur,
Denn all' die weißen Sterne
Sind seine Schäfchen nur.
Sie tun uns nichts zu Leide
Hat eins das and're gern,
Und Schwestern sind und Brüder
Da droben Stern an Stern.
Und soll ich dir ein's bringen,
So darfst du niemals schrei'n,
Musst freundlich wie die Schäfchen
Und wie ihr Schäfer sein.

Menschen bei Nacht
1899, Berlin-Schmargendorf
Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.
Von deinem Nachbar trennt dich die
Nacht,
und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.
Und machst du nachts deine Stube licht,
um Menschen zu schauen ins Angesicht,
so musst du bedenken: wem.
Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt,
das von ihren Gesichtern träuft,
und haben sie nachts sich zusammengesellt,
so schaust du eine wankende
Welt
durcheinandergehäuft.
Auf ihren Stirnen hat gelber Schein
alle Gedanken verdrängt,
in ihren Blicken flackert der Wein,
an ihren Händen hängt
die schwere Gebärde, mit der sie sich
bei ihren Gesprächen verstehn;
und dabei sagen sie: Ich und Ich
und meinen: Irgendwen.

Clemens Brentano (Abendgedichte,
Nachtgedichte)
Sprich aus der Ferne
Heimliche Welt,
Die sich so gerne
Zu mir gesellt!
Wenn das Abendrot niedergesunken,
Keine freudige Farbe mehr spricht,
Und die Kränze still leuchtender Funken
Die Nacht um die schattichte Stirne flicht:
Wehet der Sterne
Heiliger Sinn
levrai.de
Leis durch die Ferne
Bis zu mir hin.
Wenn des Mondes still lindernde Tränen
Lösen die Nächte verborgenes Weh;
Dann wehet Friede. In goldenen Kähnen
Schiffen die Geister im himmlischen
See.
Glänzende Lieder
Klingender Lauf
Ringelt sich nieder,
Wallet hinauf.
Wenn der Mitternacht heiliges Grauen
Bang durch die dunklen Wälder hinschleicht
Und die Büsche gar wundersam schauen,
Alles sich finster, tiefsinnig bezeugt:
Wandelt im Dunkeln
Freundliches Spiel,
Still Lichter funkeln,
Schimmerndes Ziel,
Alles ist freundlich wohlwollend verbunden,
Bietet sich tröstend und trauernd die Hand,
Sind durch die Nächte die Lichter gewunden,
Alles ist ewig im Innern verwandt.
Sprich aus der Ferne,
Heimliche Welt,
Die sich so gerne
Zu mir gesellt.

Matthias Claudius (Abendgedichte,
Nachtgedichte)
Abendlied
Der
Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
Der weiße
Nebel wunderbar.
Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
levrai.de
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.
Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.
Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
levrai.de
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.
Gott, lass uns dein Heil
schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Lass uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und
fröhlich sein!
Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Lass uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!
So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und lass uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!

Gode Nacht
Över de stille Straten
Geit klar de Klokkenslag;
God Nacht! Din Hart will slapen,
Und morgen is ok en Dag.
Din Kind liggt in de Weegen,
Un ik bün ok bi di;
Din Sorgen und din Leven
Is allens um un bi.
Noch eenmal lat uns spräken:
Goden Abend, gode Nacht!
De Maand schient ob de Däken,
Uns' Herrgott hölt de Wacht.

Achim von Arnim (Abendgedichte,
Nachtgedichte)
Mir ist zu licht zum Schlafen
...
Mir ist zu licht zum Schlafen,
Der Tag bricht in die Nacht,
Die Seele ruht im Hafen,
Ich bin so froh erwacht.
Ich hauchte meine Seele
Im ersten Kusse aus,
Was ist's, dass ich mich quäle
Ob sie auch fand ein Haus.
Sie hat es wohl gefunden
Auf ihren Lippen schön,
O welche sel'ge Stunden,
Wie ist mir so geschehn!
Was soll ich nun noch sehen?
Ach, alles ist in ihr.
levrai.de
Was fühlen, was erflehen?
Es ward ja alles mir.
Ich habe was zu sinnen,
Ich hab', was mich beglückt:
In allen meinen Sinnen
Bin ich von ihr entzückt.

Christian Morgenstern
(Abendgedichte,
Nachtgedichte)
Der Abend
Auf braunen
Sammetschuhen geht
der Abend
durch das müde Land,
sein weiter Mantel wallt und weht,
und Schlummer fällt von seiner Hand.
Mit stiller Fackel steckt er nun
der Sterne
treue Kerzen an.
Sei ruhig, Herz!
Das Dunkel kann
dir nun kein Leid mehr tun.

Gottfried August Bürger (Abendgedichte,
Nachtgedichte)
Abend
Der schnelle Tag ist hin /
die Nacht schwingt ihre Fahn /
Und führt die Sternen auf. Der Menschen müde Scharen
Verlassen Feld und Werk / wo Tier und Vögel waren
Trauert jetzt die Einsamkeit. Wie ist die Zeit vertan!
Der Port naht mehr und mehr sich zu der Glieder Kahn.
Gleich wie dies Licht verfiel / so wird in wenig Jahren
Ich / du / und was man hat / und was man sieht /
hinfahren.
Dies
Leben kommt mir vor als eine Renn-Bahn.
Lass höchster Gott / mich
doch nicht auf dem Lauffplatz gleiten /
Lass mich nicht Acht / nicht Pracht / nicht Lust nicht Angst
verleiten!
Dein ewig-heller Glanz sei vor und neben mir /
Lass / wenn der müde Leib entschläft / die Seele wachen
Und wenn der letzte Tag wird mit mir
Abend machen /
So reiß mich aus dem Tal der Finsternis zu dir.

Joseph von Eichendorff (Abendgedichte,
Nachtgedichte)
Abendlich schon rauscht der
Wald
Abendlich schon rauscht der
Wald
Aus den tiefsten Gründen,
Droben wird der Herr nun bald
An die Sternlein zünden.
Wie so stille in den Schlünden,
Abendlich nur rauscht der Wald.
Alles geht zu seiner Ruh.
Wald und Welt versausen,
Schauernd hört der Wandrer zu,
Sehnt sich recht nach Hause.
Hier in Waldes stiller Klause,
Herz, geh endlich auch zur Ruh.

Theodor Fontane (Abendgedichte,
Nachtgedichte)
Alles still!
Alles still! es tanzt den
Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.
Alles still! vergeblich
lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.
Alles still! die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.
Alles still! nichts hör ich
klopfen
Als mein
Herze durch die Nacht -
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.

Joseph von Eichendorff (Abendgedichte)
Abendständchen
Schlafe Liebchen, weils auf
Erden
Nun so still und seltsam wird!
Oben gehn die goldnen Herden,
Für uns alle wacht der Hirt.
In der Ferne ziehn Gewitter;
Einsam auf dem Schifflein schwank,
Greif ich draußen in die Zither,
Weil mir gar so schwül und bang.
Schlingend sich an Bäum und
Zweigen,
In dein stilles Kämmerlein
Wie auf goldnen Leitern steigen
Diese Töne aus und ein.
Und ein wunderschöner Knabe
Schifft hoch über Tal und Kluft,
Rührt mit seinem goldnen Stabe
Säuselnd in der lauen Luft.
Und in wunderbaren Weisen
Singt er ein uraltes Lied,
Das in linden Zauberkreisen
Hinter seinem Schifflein zieht.
Ach, den süßen Klang verführet
Weit der buhlerische Wind,
Und durch Schloss und Wand ihn spüret
Träumend jedes schöne Kind.

Joseph von Eichendorff
(Abendgedichte)
Mondnacht
Es war, als hätt der
Himmel
die Erde still geküsst,
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die
Felder,
die Ähren wogten sacht,
es rauschten leis die Wälder,
so sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.

Max Dauthendey
(Liebesgedichte)
(Nachtgedichte)
Ein Rudel kleiner Wolken
Ein Rudel kleiner Wolken
Schwimmt durch die Abendhelle,
Wie graue Fische im Meere
Durch eine blendende Welle.
Und Mückenscharen spielen
Im späten Winde rege
Sie tanzen zierliche Tänze
Im warmen staubigen Wege.
Und zwischen Wolken und Erde,
Über die Bäume, die schlanken,
Ziehn auf der Straße zum Monde
Die uralten Liebesgedanken.

Georg Trakl
(dunkle
Gedichte, Nachtgedichte)
Traum des Bösen
´
Verhallend eines Gongs
braungoldne Klänge -
Ein Liebender erwacht in schwarzen Zimmern
Die Wang' an Flammen, die im Fenster flimmern.
Am Strome blitzen Segel, Masten, Stränge.
Ein Mönch, ein schwangres Weib dort im Gedränge.
Guitarren klimpern, rote Kittel schimmern.
Kastanien schwül in goldnem Glanz verkümmern;
Schwarz ragt der Kirchen trauriges Gepränge.
Aus bleichen Masken schaut der Geist des Bösen.
Ein Platz verdämmert grauenvoll und düster;
Am Abend regt auf Inseln sich Geflüster.
Des Vogelfluges wirre Zeichen lesen
Aussätzige, die zur Nacht vielleicht verwesen.
Im Park erblicken zitternd sich Geschwister.

Georg Büchner
(Abendgedichte,
Nachtgedichte)
Die Nacht
Niedersinkt des Tages goldner
Wagen,
Und die Stille Nacht schwebt leis' herauf,
Stillt mit sanfter Hand des Herzens Klagen,
Bringt uns Ruh' im schweren
Lebenslauf.
Ruhe gießt sie in das
Herz des Müden,
Der ermattet auf der Pilgerbahn,
Bringt ihm wieder seinen stillen Frieden,
Den des Schicksals raue Hand ihm nahm.
Ruhig schlummernd liegen
alle Wesen,
Feiernd schließet sich das Heiligtum,
Tiefe Stille herrscht im weiten Reiche,
Alles schweigt im öden Kreis herum.
Und der Mond schwebt hoch
am klaren Äther
Geußt sein sanftes Silberlicht herab;
Und die Sternlein funkeln in der
Ferne
Schau'nd herab auf Leben und auf Grab.
Willkommen
Mond, willkommen sanfter Bote
Der Ruhe in dem rauen Erdental,
Verkündiger von Gottes Lieb und Gnade,
Des Schirmers in Gefahr und Mühesal.
Willkommen Sterne,
seid gegrüßt ihr Zeugen
Der Allmacht Gottes der die
Welten lenkt,
Der unter allen Myriaden Wesen
Auch meiner voll von Lieb und Gnade denkt.
Ja heil'ger Gott du
bist der Herr der Welten,
Du hast den Sonnenball empor getürmt,
Hast den Planeten ihre Bahn bezeichnet,
Du bist es, der das All mit Allmacht schirmt.
Unendlicher, den
keine Räume fassen,
Erhabener, den Keines Geist begreift,
Allgütiger, den alle Welten preisen,
Erbarmender, der Sündern Gnade beut!
Erlöse gnädig uns von allem
Übel,
Vergib uns liebend jede Missetat,
Lass wandeln uns auf deines Sohnes Wege,
Und siegen über Tod und über Grab.

Georg Büchner
(Abendgedichte,
Nachtgedichte)
Leise hinter Nachtgewölke
Leise hinter düstrem
Nachtgewölbe
Tritt des Mondes Silberbild hervor,
Aus des Wiesentales feuchtem Grunde
Steigt der Abendnebel leicht
empor.
Ruhig schlummernd liegen
alle Wesen,
Feiernd schweigt des Waldes Sängerchor,
Nur aus stillem Hain, einsam klagend,
Tönet Philomenes Lied hervor.
Schweigend steht des Waldes
düstre Fichte,
Süß entströmt der Nachtviole Luft,
Um die Blumen spielt des Westwinds Flügel,
Leis hinstreichend durch die Abendluft.

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