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Abendgedichte - Übersicht

 

Dichter: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z
Themen: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

 

Joseph von Eichendorff (Abendgedichte)

Der Abend

Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
wunderbar mit allen Bäumen,
was dem Herzen kaum bewusst,
alte Zeiten, linde Trauer,
und es schweifen leise Schauer
wetterleuchtend durch die Brust.

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Die schönsten Märchen in den Märchen-Welten.

 

 

Max Dauthendey (Abendgedichte, Gedichte über den Abend)

Ein Regen ist kalt durch den Tag gegangen

     

Viel Wolken halten den Abend umfangen,
Viel dunkle Falten vom Himmel hangen.
Ein Regen ist kalt durch den Tag gegangen,
Und Stille macht Halt ernst ohne Bewegen.
    
Der Abend will sich gern niederlegen,
Die Berge reichen den Rücken hin,
Und jeder Stein will dem Dunkel sich bücken
Dem Abend und seinem geheimen Sinn.

 

Gedichte über Abend... mehr

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Theodor Storm  (Abendgedichte, Gedichte über den Abend)

Es ist ein Flüstern

 

Es ist ein Flüstern in der Nacht,
Es hat mich ganz um den Schlaf gebracht;
Ich fühl's, es will sich was verkünden
Und kann den Weg nicht zu mir finden.
Sind's Liebesworte, vertrauet dem
Wind,
Die unterwegs verwehet sind?
Oder ist's Unheil aus künftigen Tagen,
Das emsig drängt sich anzusagen?

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Joseph von Eichendorff (Abendgedichte, Gedichte Abend)

Mondnacht

    

Es war,  als hätt der Himmel
die Erde still geküsst,
dass  sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müsst.

    

Die Luft ging durch die Felder,
die Ähren wogten sacht,
es rauschten leis die Wälder,
so sternklar war die Nacht.

    

Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.

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Levrai  (Abendgedichte, Gedichte über den Abend)

Tausch

 

Die Zwischenräume des Tages

in die Kissen gestopft

Stunden unter Laken geschoben

Minuten an den Rand geknittert

den Weißwein gegen den Rotwein getauscht

berauscht den Tag

noch einmal geträumt

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Matthias Claudius (Abendgedichte, Gedichte über den Abend)

Abendlied

 

Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;  
Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar. 

 

Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so  hold!
Als eine stille Kammer,  
levrai.de
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

 

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen, 
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

 

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder   
levrai.de
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

 

Gott, lass uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs  trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!  
Lass uns einfältig werden 
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich  sein!

 

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Lass uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

 

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und lass uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar  auch!

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Christian Morgenstern 

Der Abend

 

Auf braunen  Sammetschuhen geht
der
Abend durch das müde Land, 
sein weiter Mantel wallt und weht,
und Schlummer fällt von seiner Hand.

Mit stiller Fackel steckt er nun
der
Sterne treue Kerzen an.
Sei ruhig, 
Herz!  Das Dunkel kann
dir nun kein Leid mehr tun.
 

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Theodor Fontane

Alles still!

 

Alles still! es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.
    

Alles still! vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.
    

Alles still! die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.
    

Alles still! nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht -
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.

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Joseph von Eichendorff  (Gedichte über Tageszeiten, Mittag)

Vesper

Die Abendglocken klangen
Schon durch das stille Tal,
Da saßen wir zusammen
Da droben wohl hundertmal.

Und unten wars so stille
Im Lande weit und breit,
Nur über uns die Linde
Rauscht' durch die Einsamkeit.

Was gehn die Glocken heute,
Als ob ich weinen müsst?
Die Glocken, die bedeuten,
Dass meine Lieb gestorben ist!

Ich wollt, ich lag begraben
Und über mir rauschte weit
Die Linde jeden Abend
Von der alten, schönen Zeit!

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Paul (Paulus) Gerhardt 
Abendlied

Nun ruhen alle Wälder,
Vieh, Menschen, Städt' und Felder,
es schläft die ganze Welt.
Ihr aber, meine Sinnen,
auf, auf, ihr sollt beginnen,
was eurem Schöpfer wohlgefällt.

Wo bist du, Sonne, blieben?
Die Nacht hat dich vertrieben,
die Nacht, des Tages Feind.
Fahr' hin, ein andre Sonne,
mein Jesus, meine Wonne,
gar hell in meinem Herzen scheint.

Der Tag ist nun vergangen,
die güldnen Sterne prangen
am blauen Himmelssaal.
Also werd' ich auch stehen,
wenn mich wird heissen gehen
mein Gott aus diesem Jammertal.

Der Leib eilt nun zur Ruhe,
legt ab das Kleid und Schuhe,
das Bild der Sterblichkeit.
Die zieh' ich aus, dagegen
wird Christus mir anlegen
den Rock der Ehr und Herrlichkeit.

Das Haupt, die Füss' und Hände
sind froh, dass nun zum Ende
die Arbeit kommen sei.
Herz, freu dich, du sollst werden
vom Elend dieser Erden
und von der Sünden Arbeit frei.

Nun geht, ihr matten Glieder,
geht hin und legt euch nieder,
der Betten ihr begehrt.
Es kommen Stund' und Zeiten,
da man euch wird bereiten
zur Ruh' ein Bettlein in der Erd.

Mein Augen stehn verdrossen,
im Nu sind sie geschlossen.
Wo bleibt dann Leib und Seel?
Nimm sie zu deinen Gnaden,
sei gut für allen Schaden,
du Aug' und Wächter Israel.

Breit aus die Flügel beide,
o Jesu, meine Freude,
und nimm dein Küchlein ein.
Will Satan mich verschlingen,
so lass die Englein singen:
Dies Kind soll unverletzet sein.

Auch euch, ihr meine Lieben,
soll heute nicht betrüben
kein Unfall noch Gefahr.
Gott lass' euch selig schlafen,
stell' euch die güldnen Waffen
ums Bett und seiner Engel Schar.

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 Bewertung ****** aktualisiert 10.05.2012 >>Sende dein Gedicht ein<<

 

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